Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Zuversicht und Mut sollten belohnt werden
- Dr. Volker Gronau

- 8. Jan. 2022
- 4 Min. Lesezeit

Das Jahr hat begonnen und die alten Probleme mit hinüber genommen. Coronakrise, Inflation, Zinswende, Geopolitik… - an Problemfeldern mangelt es 2022 nicht. Aber die Probleme sollten im Verlauf dieses Jahres immer mehr unter Kontrolle gebracht werden können und damit der Wirtschaftserholung buchstäblich "freie Fahrt" geben.
Die Geldpolitik und die Entwicklung der Inflation wird bis mindestens Ende 2022 ein bestimmendes Thema bleiben. Steigende Zinsen sind nicht das dominierende Problem – die Börse kann damit umgehen. Die Liquidität muss neu kalkuliert werden, wobei es keine Rücknahme an Liquidität (USA) gibt, sondern ein Nicht-Noch-Mehr an neuer Geldversorgung. Die Coronakrise geht ins dritte Jahr und sollte für den Aktienmarkt, wie auch in den letzten 18 Monaten, immer weniger an Bedeutung finden.
Dafür gibt es andere Problemfelder, die akut werden. Da ist nicht nur ein drohender militärischer Konflikt direkt vor der Haustür (Ukraine/Russland bzw. Kasachstan), sondern auch ein politischer Konflikt nicht weit weg, der die Welt in Atem halten könnte.
2022 wird in den USA wieder gewählt. Die Midterm-Wahlen (Herbst 2022) sind von großer Bedeutung. Einerseits geht es darum, wer die Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat hält und damit die Regierungsarbeit ermöglichen oder lähmen kann; andererseits wird sich zeigen, ob die Demokratie noch funktioniert.
Die bekannten Risiken lassen sich leider nicht mit einem Knopfdruck beseitigen, sie bilden aber auch ein Fundament für Kurssteigerungen am Aktienmarkt. Sowohl Konsumenten als auch Unternehmen haben sich mittlerweile auf den "neuen Normalzustand" im Krisenmodus eingestellt, sodass die Produktion und auch der Konsum von Gütern und Dienstleistungen - wenn auch in angepasster Form - weiter fortgeführt werden wird, ja sogar gesteigert werden könnte. Diese Entwicklung wird durch einen starken Arbeitsmarkt untermauert, mit einer schwankungsanfälligen Wirtschaftsleistung. Massive Einbrüche würden hierdurch aber verhindert und die Einkommen sowie das Vertrauen in die Zukunft nähmen zu. Dies befeuert die Nachfrage in allen Wirtschaftssektoren, am stärksten jedoch bei konjunktursensiblen Unternehmen, wie den Produzenten langlebiger Investitionsgüter und deren Zulieferer. Dies belegten die vollen Auftragsbücher der Branchenvertreter. Was ihnen bei der Abarbeitung aktuell im Weg steht, ist die Knappheit an Vorprodukten und Arbeitskräften. Diese Situation sollte sich im Jahresverlauf aber sukzessive verbessern. Die aktuell nicht ausgeführten Aufträge verfallen jedoch nicht, denn die Nachfrage nach langlebigen Gütern bleibt für die wartenden Abnehmer bestehen. Diese Aufträge werden in Folgeperioden ausgeführt, wenn das Angebot nachgezogen hat. Man darf erwarten, dass diese Dynamik im zweiten Halbjahr 2022 zunimmt. Gewinne und Wachstum würden folglich nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Die von Analysten für 2022 erwartete Gewinnzunahme im DAX von rund fünf Prozent dürfte daher zu konservativ geschätzt sein. Diese pessimistische Ausgangsbasis wird durch die jüngsten Kursrückschläge bestätigt und bietet daher, insbesondere für zyklische Werte, zusätzlichen Raum für positive Überraschungen. Die kontinuierliche Umstellung auf den "neuen Normalzustand" im Krisenmodus bedingt eine hochtechnologische Aufrüstung des (Arbeits-) Alltags. Hiervon profitierten Technologie-Unternehmen enorm. Sie erwirtschaften hohe und zugleich stabil wachsende Erträge und dies nahezu unabhängig vom Wirtschaftszyklus.
Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Der Dax legte vor Weihnachten eine Erholungsrally hin und hatte dabei wichtige kurz- und längerfristige Trendindikatoren zurückerobern können, aufgrund von Rückenwind von positiven Daten zur Wirtschaftslage der USA, sowie von der Hoffnung, dass die Omikron-Variante mild verlaufen könnte, was die Hospitalisierungsrate jetzt eindeutig anzeigt. Der extreme Anstieg der Infizierten, was wie eine Wand aussieht, macht nicht unbedingt fröhlich, aber die damit unkorrelierte Zahl an Todesfällen, die immer weiter zurückgeht, lässt hoffen, das der Spuk im Frühjahr tatsächlich ein Ende finden kann.
Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stützte die europäischen Märkte weiterhin und auch zukünftig.
Diese beiden Faktoren (Corona und Zins- mit Geldpolitik) sollten die Garanten einer wieder freundlichen Börse in diesem jungen Jahr sein können, mit den aufgeschobenen Nachfrageschübenund der Fiskalpolitik.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Der Euro ist seit April 2008 in einem langfristigen Abwärtstrend – zu erkennen an der o. a. grauen Linie. Um diese Linie schwankt unsere Gemeinschaftswährung seit zwei Jahren, wobei der Euro zunehmend Stabilität aufbaut.
Diese Interpretation einer sich langsam aufbauenden Stärke des Euro ist für folgende Gedankengänge wichtig:
Ein sich stabilisierender Euro lockt Ausländer an, die durch die zukünftigen Währungsgewinne in europäische Aktien investieren werden. Die Zinsen zwischen USA und Europa sind etwa 1,8 Prozentpunkte auseinander – noch!
Die Diskussion um die Zinsen, damit verbunden die Inflation wird uns in diesem Jahr permanent begleiten. Vieles, meines Erachtens nahezu Alles, was darüber zu lesen ist, wurde von den Märkten vorweggenommen – vielleicht die vorgestrige Diskussion einer schnelleren als erwarteten Zinsanhebung in USA noch nicht komplett.
In Europa werden die zehnjährigen Zinsen um die Nulllinie schwanken, also ein wenig steigen. Die Zinsen bis zu einem Jahr werden sich kaum verändern wollen und können – dafür sorgt die EZB.
Fazit: Vor steigenden Zinsen braucht sich der Anleger nicht zu fürchten, weil nicht viel passieren wird.
Ein erfolgreiches Jahr mit viel Gesundheit, noch mehr Glück und großem Erfolg beruflich wie privat wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
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