Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Woher kommen die Preissteigerungen?
- Dr. Volker Gronau

- 5. Feb. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr. 2022

Das Thema Inflation beschäftigt die Anleger intensiv seit nunmehr über einem Jahr – zunehmend intensiver. Dabei ist der genaue Blick heute wichtiger denn je, um keine Interpretationsfehler zu begehen. Denn die hohen Raten zur Preissteigerung kommen primär nicht von der Nachfrage- sondern der Angebotsseite.
Dazu muss man folgendes wissen: Viele, weltweit agierenden Industriebetriebe bestellten während der nachfragebedingten Corona-Zeit wenige Vor- oder Halbprodukte, um keine Lagerkosten aufzutürmen. Damit stockte auch die Produktion der Endprodukte. In dem Moment, wo wieder die Normalität Einzug in den Firmen stattfand (stattfinden wird), wollten alle zeitgleich ihre Bestellungen erfüllt sehen. Bei gleichzeitig brüchigen Transportketten konnten die Preise für Grundstoffe und damit die Inflation nur steigen. Auch der Ukraine-Konflikt trug durch stark steigende Preise bei Öl- und Gaspreisen zur inflationären Entwicklung bei.
„Dieses angebotsseitige Inflationsproblem kann die Fed so wenig heilen wie Aspirin einen Beinbruch“, wurde Metapher artig am Kapitalmarkt dargelegt.
Aus dieser Tatsache ergibt sich das Phänomen des sog. „Schweinezyklusses“, das jeder Student der Wirtschaft schon einmal gehört haben wird und viele Wirtschaftsinteressierte ebenso.
Der Schweinezyklus bezeichnet eine periodische Schwankung der Angebotsmenge und des Marktpreises. Das Problem tritt auf Märkten auf, an denen die Angebotsmenge nicht kurzfristig an die aktuelle Nachfrage angepasst werden kann.
Im Moment sind bestimmte Produkte im Angebot knapp, damit lassen sich vergleichsweise hohe Preise erzielen, was wiederum zu einer erhöhten Produktionskapazität führt. Irgendwann ist mehr Angebot auf dem Markt, so dass die Preise wieder fallen werden – aber wann?
Es mag heute noch utopisch klingen, aber Ende des Jahres diskutieren wir an dieser Stelle über eine Schwemme bei Halbleitern und die Lieferkettenprobleme werden sich entspannt haben. Die Zins-Daumenschrauben muss die Fed insofern gar nicht so stark anziehen. Insofern sind sieben Zinserhöhungen (je 0,25 %-Punkte) unrealistisch, wie sie in den Medien herausposaunt wurden.
Denn die Zinsen können nur soweit angehoben werden (sehr wenig), dass sie bei der aktuellen und sich vermindernden Inflation die gefürchteten Zweitrundeneffekte verhindern; ansonsten wird der Kaufkraftverlust zu hoch ausfallen. Und, wie sooft an dieser Stelle ausgeführt sind die Verbraucher das entscheidende Rückgrat der US-Wirtschaft, mit rund 70 Prozent des Bruttosozialproduktes.
Die weltweite Schuldenlage der Industrieländer ist ein ebensolches wichtiges Faktum, das die Notenbanken höchst sensibel observieren, da niedrige Zinsen bei einer positiven Inflationsrate die Schuldenlast wie von Zauberhand über viele Jahre abbaut.
Auch kommt der so wichtige Effekt innerhalb Europas (EU-Länder bzw. Euroländer) zum Tragen. Es darf ja nicht noch ein Land aus dieser Gemeinschaft (Europäische Union) entweichen [Großbritannien]. Die kommenden Aufgaben sind ja auch die Kräftemessung der anderen Währungsräume, neben dem Euro (US-Dollar, Yen und Yuan).
Insgesamt, auch wenn sich die Notenbanken Falkenkostüme (Zinssteigerung und wenig neue Liquidität) anziehen, sind sie dennoch Tauben (Zinssenkungen und Quantitative Easing = vermehrte Liquidität). Die Aktienmärkte werden es früher oder später begreifen – und dann kann der Aktienanleger die Lorbeeren für sein Durchhaltevermögen einheimsen.
Dem Dax auf der Spur (Ein-Jahres-Zeitraum)
Der Dax schwankte ruppig hin und her, wie bereits seit den Wochen ab Oktober des letzten Jahres. Aber er blieb in seinem Seitwärtstrend.
Die Alternativen zum Aktienmarkt sind keine und werden es auch nicht. Ganze vier Prozent sind die langlaufenden festverzinslichen Wertpapiere in die Knie gegangen. Eine Option ist das also nicht. Eine kaum wahrnehmbare Besserung in den Signalen zeigt sich dennoch, am Aktienmarkt.
Und wenn der Euro zum Spurt ansetzt, fällt der US-Dollar und das mit ihm bewertete Gold.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Die EZB (Europäische Zentralbank), unter ihrer Präsidentin Frau Lagarde signalisierte keine klare Botschaft für eine Zinssteigerung, sondern eine weitere Periode (meines Erachtens bis Mitte dieses Jahres) spielt sie auf Zeit, um sich die Entwicklung der Inflation anzusehen. Denn, obwohl die Inflationsrate (in Europa) bei 5,1 Prozent liegt, traf die EZB keine Entscheidung. Mit viel Interpretationsspielraum deutete sie für 2022 eine Zinserhöhung an, was aber nicht sein muss.
Dem Euro hat es gefallen, wie man an dem obigen Schaubild und der starken Steigerung, in dieser abgelaufenen Woche, sehr gut erkennen kann – ein deutliches Stärkesignal (siehe rechter weißer Balken).
Der Euro weist damit eine zunehmende Attraktivität aus, die die Ausländer auf den Plan rufen wird – d.h., dass deutsche und europäische Aktien in der Gunst der Anleger zunehmend interessant werden dürften, aufgrund kommender Währungsgewinne.
Ein sich damit nicht nur an den Aktienmärkten sondern auch wetterbedingt aufhellendes Wochenende wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitungallein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklungerlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


Kommentare