Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: US-Inflationsdaten verschrecken die Finanzmärkte
- Dr. Volker Gronau

- 16. Sept. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Sept. 2022

Es waren wieder einmal die US-Inflationsdaten, auf welche die Finanzmärkte rund um den Globus verschreckt reagierten. Die Anleihe- und Aktienmärkte gerieten unter schweren Druck, der US-Dollar zog nach den Zahlen deutlich an.
Auslöser war, dass im August die Jahresteuerung lediglich auf 8,3 % nach 8,5 % im Juli gesunken ist und sich damit als ausgesprochen hartnäckig gezeigt hat. Laut Reuters war der Markt auf einen Rückgang auf 8,1 % eingestellt. Im Vergleich zum Juli haben sich die Verbraucherpreise um 0,1 % erhöht, während Volkswirte einen Rückgang um 0,1 % erwartet hatten. Besonders unangenehm für die Interpretation war, dass die Kernrate (ohne Lebensmittel- und Ölpreise) sogar von 5,9 % auf 6,3 % nach oben bewegte – was letztendlich die Wertpapierkurse fallen ließ.
Hoffnungen, die US-Notenbank Fed könnte in absehbarer Zeit weniger aggressiv an der Zinsschraube drehen, haben sich mit den Zahlen in die Zukunft verschoben, eine erneute kräftige Anhebung um 75 Basispunkte auf der Sitzung des Offenmarktausschusses am 21. September gilt nun als sicher, wenn nicht sogar noch mehr.
Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)

Die fortwährenden Konjunktursorgen und die in der kommenden Woche anstehende Zinssitzung der US-Notenbank veranlassten die Anleger zum Rückzug aus dem Aktienmarkt. Die hohe Volatilität wurde durch den Großen Verfalltermin an den internationalen Terminbörsen noch etwas verstärkt.
Konjunkturseitig hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im September aufgehellt. Ökonomen hatten jedoch etwas mehr erwartet.
Die Inflationserwartungen der Konsumenten auf Sicht von zwölf Monaten verringerten sich ein wenig.
Die Verbraucher spielen eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaft, da rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vom Privatkonsum abhängen. Rezessionsängste erhalten neue Nahrung durch eine Gewinnwarnung des Paketdienstes Fedex, dessen Aktie um 23,1 Prozent abstürzte. Das als Konjunkturbarometer geltende Unternehmen machte unter anderem die Energiekrise in Europa für wegfallende Umsätze verantwortlich.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)

Die Aussichten auf weitere Zinsschritte der EZB trieben in der abgelaufenen Woche zunächst den Euro an. Es setzte sich weiter von seinem 20-Jahres-Tief ab und kletterte bis auf knapp 1,02 US-Dollar.
Im Laufe der Woche, vor allem am Donnerstag und Freitag wurden immer mehr Kommentare verbreitet, dass die amerikanische Zentralbank (Fed) am kommenden Mittwoch (21.09.) eventuell den US-amerikanischen Leitzins um einen ganzen Punkt nach oben setzen könnte. Daraufhin gab unser Euro seine Gewinne wieder ab, wurde aber dennoch in der letzten Nacht wieder stabil über eins gehandelt.
Die technische Analyse spiegelt über die obige Kursgrafik positive Signale eines sich stabilisierenden Euros.
Gold
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld und damit aktuell hervorgetretenen Sorgen (Krieg, Energiekrise) sollten der Krisenwährung Gold zugutekommen, doch die Wechselkurs- und Zinseffekte wiegen weiterhin deutlich stärker als die grundsätzliche Schutzfunktion des Edelmetalls. Dazu kommen die Gerüchte, die darauf hindeuten, dass Gold derzeit verkauft wird. Welches Land dahintersteckt kann nur vermutet werden – im Gespräch ist Russland.
Die jüngste Bilanz der Feinunze zeigt, dass der Preis um ca. drei Prozent im August abwärts gerichtet war – der fünfte Monatsverlust in Folge.
Diese Abwärtsbewegung entspricht der längsten Verlustserie seit dem Sommer 2018, was nicht auf eine schnelle Trendwende hindeutet, wobei der starke US-Dollar die Gesamtbilanz einer Anlage in Gold nicht ganz so schlecht hat aussehen lassen.
Der Goldpreis ist mit Blick auf die aktuellen makroökonomischen Fundamentaldaten unterbewertet, was aber gerade bei diesem Anlagevehikel (kein Zins, damit kein innerer Ertrag – dadurch keine typische Bewertung) keine Besonderheit darstellt.
Den richtigen Einstiegszeitpunkt gibt es nicht – bei keinem Anlagevehikel. Die Konkurrenzanlage Zins spielt seine Karten aus, aufgrund des geldpolitischen Fahrplans der US-Notenbank. Erst kürzlich verkündete Fed-Chef Jerome Powell, dass die Zinsen zur Inflationsbekämpfung weiter steigen müssen. Am Notenbankentreffen, nächste Woche am Mittwoch, wird ein Zinsschritt um 0,75 Basispunkte auf 3,0 bis 3,25 Prozent erwartet, oder tatsächlich auch 100 Basispunkte (also 1 Prozentpunkt).
Freundliche Grüße verbunden mit einem erholsamen und angenehmen Wochenende wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


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