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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Sinnvolle Handlungsalternativen in unsicheren Zeiten?


Inflation, Nachhaltigkeit und Krieg sind komplexe Themen, zu denen man unterschiedlicher Meinung sein kann.


Sinnvollen Handlungsalternativen gegenüber der Aktienanlage, die weiterhin einen Gutteil des überschüssigen Geldes ausmachen sollte und diese Aktien nach objektiven Kriterien auszuwählen, oder auswählen zu lassen, gibt es nicht.


Auch in schlechten Phasen wird mit einer guten Strategie, durch das Festhalten, langfristig Geld verdient. Denn "wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen“, wusste auch schon Altaktienmeister Kostolany.


Die Aktienmärkte zeigen aktuell wenig positive Dynamik. Krieg und Inflation sind belastende Themen. Kurzfristige Änderungen sind aber immer im Bereich des Möglichen, dazu braucht es gar nicht viel Fantasie. Es ist eine Schande, dass es in Europa nicht gelungen ist, den Gewaltausbruch zu verhindern. Dieser Konflikt tötet, spottet allen Klimabemühungen und gefährdet die Sicherheit und den Wohlstand aller Menschen auf diesem Planeten.


Auch wenn die internationale Reaktion, die es dem Angreifer schwer macht, hoffungsvoll anmutet, so trägt das vorherrschende Analyseschema (Gut vs. Böse - gut immer die eigene, böse die andere Seite) wenig zu einer Friedenslösung bei, sondern erinnert in typischer Weise an alle Kriege, die der Mensch in seiner wenig ruhmreichen Geschichte geführt hat.

Trotz dieser alarmierenden Lage können wir als Finanzmarktteilnehmer nichts tun als zu hoffen. Gott sei Dank hat die Menschheit bislang alle Kriege irgendwann beenden können. Sollte dies geschehen, werden alle aufatmen und besonders diejenigen profitieren, die Ihr überschüssiges Geld in produktive Unternehmen angelegt haben.


Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)



Am Freitag letzter Woche stiegen die Zinserwartungen sprunghaft an. Was bedeutet dies für die Bewertung des Aktienmarktes?


Im Niedrigzinsumfeld wurde Anlegern immer wieder vorgerechnet, dass es keine Alternative zu Aktien gibt. Vor allem bei Technologieaktien wirkten Nullzinsen Wunder. Im Technologiesegment gibt es viele Unternehmen, die jung sind und schnell wachsen. Sie erwirtschaften einen Großteil des Umsatzes und Gewinns (voraussichtlich) in ferner Zukunft. Werden die zukünftigen Cashflows mit höherem Zins abgezinst, hat das einen enormen Hebeleffekt. Die Zinserwartung wirkt direkt auf die Bewertung.


Es gibt weitere Hebel, wie die Zinsen die Bewertung beeinflussen.


Viele Unternehmen sind verschuldet. Vor allem die Pandemie hat viele Firmen gezwungen, hohe Schuldenberge anzuhäufen. Mit steigenden Zinsen werden die Schulden teurer. Ein größerer Anteil der Einnahmen muss für den Schuldendienst aufgebracht werden. Es reduziert den Gewinn direkt.


Zu guter Letzt beeinflusst der Leitzins und die Zinserwartung die Rendite von Anleihen. Langsam, aber sicher werden Anleihen wieder interessant. Es gibt wieder eine Alternative zu Aktien. All das drückt die Bewertung des Marktes, doch um wie viel? Und sind Anleihen wirklich eine Alternative, denn besonders üppig ist der Zinsertrag ja auch nicht.


Der Zusammenhang zwischen Bewertung, gemessen anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist bekannt und derzeit als günstig einzustufen.


Auch die Bewertung bezüglich des inneren Wertes einer Aktie (Value), dargelegt auf Basis ihrer Vermögenswerte bedeutet heute, dass einige Dax-Firmen nicht einmal mehr ihre Substanz kosten, was auf absehbare Zeit zu einer Trendwende in der Bewertung der Aktien (steigende Notierungen) führen wird.


An diese Verflechtungen kommt keine Anleger vorbei, was sich spontan an den Arbeitsmarktzahlen von gestern ablesen lässt: Denn, …


Europas Börsen bauten die Gewinne nach einem schwächeren US-Arbeitsmarktbericht kräftig aus, mussten aber im späten Handel, aufgrund von Meldungen, dass ab heute doch kein Gas mehr (vorerst) durch Nord Stream 1 fließen wird, kräftige Verluste hinnehmen. Dies kann sich am Montag schnell wieder ändern.


Die Arbeitsmarktdaten wirken dafür nachhaltiger. Während sich die Zahlen der neuen Stellen im August noch im Rahmen der Erwartungen bewegten, ist die Arbeitslosenquote überraschend auf 3,7 Prozent gestiegen. Auch ist die Zahl der geleisteten Wochenstunden im August leicht gefallen. Daneben wurde das Stellenplus im Juli und vor allem im Juni deutlich nach unten revidiert.


Die Anleger hoffen, dass die schwächeren Daten die US-Notenbank dazu bewegen könnten, bei der Geldpolitik weniger restriktiv vorzugehen als bislang erwartet. Ich glaube es zwar nicht, was auch egal ist, weil der Markt hat es bereits verinnerlicht – aber er wird es schon bald inhalieren, dass es schon im kommenden Jahr Zinssenkungen geben wird.


Der DAX stieg um 2,5 Prozent auf 12.949 Punkte, der Euro-Stoxx gewann 1,8 Prozent auf 3.520 Punkte.


Die G7-Pläne für einen möglichen Preisdeckel für russisches Öl beeindrucken die Märkte derweil nicht.


Euro gegen US-Dollar (Zwei-Jahres-Zeitraum)



Die Staatsanleihen wurden in der abgelaufenen Woche verstärkt gehandelt und kamen prompt unter Druck.


Ausgelöst durch die im August -stärker als erwartet- gestiegene Inflationsrate im Euroraum von 8,9 % auf 9,1 % (Jahresbetrachtung). Die Kernteuerungsrate ohne die volatilen Preise für Energie, Nahrungs- und Genussmittel legte von 4,0 % auf 4,3% zu. Damit dürfte der Höhepunkt der Inflation aber leider noch nicht erreicht sein. Allein wegen des Auslaufens des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts in Deutschland dürfte die Inflationsrate im September im Euroraum um 0,3 Prozentpunkte ansteigen.


In den folgenden Monaten werden die Energiepreise die Inflationsrate über die Marke von zehn Prozent treiben. Damit steigt der Druck auf die EZB, nächste Woche die Zinsen kräftig zu erhöhen.


Die Sitzung findet am 7. und 8. September statt. Der Markt rechnet zunehmend mit einer größeren Anhebung. Eingepreist sind 0,75 %-Punkte, was den Euro gegenüber den US-Dollar, in den beiden letzten Wochen, signifikant stabilisierte.


Ein entspanntes und angenehmes Wochenende wünscht



Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung


Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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