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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Inflation – Zinsen – Arbeitsmarkt


Noch sind die Daten von der Inflationsfront nicht wirklich prickelnd. Daher widme ich heute diesen Ausführungen den drei wichtigen Themen: Inflation – Zinsen – Arbeitsmarkt.


INFLATION

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht angesichts der hohen Inflation wichtige Schritte in Richtung einer Normalisierung ihrer Geldpolitik. Beim letzten Zinsentscheid am Donnerstag (9.06.) kündigte die EZB wie erwartet ein Ende ihrer Anleihenkäufe zum 1. Juli an. Beim nächsten Zinsentscheid, kommenden Monat am 21. Juli, sollen dann die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden. Eine weitere Zinserhöhung solle es dann im September geben, heißt es im Statement. Die Aktienkurse sondieren jetzt am europäischen Aktienmarkt diese neuen, jetzt belastbaren reellen Fakten ein.


Die Kurse kamen dadurch in Wallungen, trotz eines beispiellosen unterstützenden Währungseffekts – Euro fällt, was unsere Waren für die Ausländer günstiger werden lässt.


Der abwertende Euro dürfte weiter ein Pro-Argument für europäische Aktien sein, die Straffung der EZB-Geldpolitik hat allerdings keinen positiven Effekt, der aber nur temporär zu verstehen sein darf.


Am US-Aktienmarkt haben wir gesehen, was passiert, wenn die Liquidität durch die Notenbank ausgetrocknet wird: Der Aktienmarkt fällt und es fehlt an Kraft und Energie eine spürbare Gegenbewegungen zu starten und aufrechtzuerhalten – noch!


Der DAX war unentschieden, hat sich dann aber (nach dem 8.06.) für ein zweites Verlaufsszenario entschieden, ausgelöst durch ausländische Verkäufe, den umsatzarmen Feiertag (Donnerstag) und den Verfallstag am gestrigen Freitag bezüglich der Terminbörsen, die die zwei Tage heftig die Kurse (vorwiegend aus dem Ausland) schwanken ließen.


Unterschätzt werden dürfen die ausländischen Marktteilnehmer aber nie. Der Euro ist extrem günstig. Wenn sich hier nur annähernd günstige Momente zeigen, werden europäische Aktien eingesammelt. Mittelfristig ist also nach wie vor mit hohen Kursschwankungen zu rechnen.


Die Inflationsdaten müssen dazu genau im Blick behalten werden. Deren Bekämpfung durch die FED und nun auch durch die EZB bringt die Aktienmärkte unter eine hohe Schwankungsbreite. Der Ukrainekrieg und der Cut wirtschaftlicher Beziehungen zwischen dem Westen und Russland, hat massive wirtschaftliche Auswirkungen. Auch und gerade für den Westen, wobei die wirtschaftliche Abhängigkeit durch das Öl und Gas dominiert wird – so gut wie gar nicht auf den restlichen Sektoren wirtschaftlicher Kooperation.


ZINSEN

Immer wieder keimt die Hoffnung auf, dass die aktuellen Zinserhöhungsrunden weniger stark ausfallen als angenommen, prognostiziert und tatsächlich als Statements der Zentralbanken interpretiert werden. Der gewaltige Satz von 0,75 %-Punkten war nur von wenigen Personen als Möglichkeit angesehen worden – es wurde ja dann auch der kurzfristige Zinssatz der Fed um diesen Dreiviertelsatz erhöht, was als gut interpretiert wurde, da die zukünftigen Erhöhungen in Summe weniger werden.


Nahrung erhalten diese Überlegungen dadurch, dass die Inflationsrate schlichtweg nicht mehr derart steigen kann, wie geschehen. Allein die Angebots- und Nachfragesituation lässt das aus reinem Wirtschaftlichkeitsdenken nicht zu.


ARBEITSMARKT

Auch die dafür ebenso wichtigen Arbeitsmarktdaten gaben in diese Richtung Hoffnung, weil es hier zunächst schwache Arbeitsmarktzahlen (private Agenturen) gab. Dann aber kamen am 03.06. überraschend gute staatliche Arbeitsmarktzahlen.


Dazu muss man aber Folgendes wissen: Die in diesem Jahr wiederholt „guten“ Zahlen, sind nur deshalb als erfreulich anzusehen, weil die Behörde annahm, dass die Zahl der neu geschaffenen Selbständigen-Jobs (nach der sogenannten Geburten- und Sterbetabelle) stark gestiegen wären. Das ist systemimmanent in USA immer der Fall, dass sich statistische Werte nur sehr schwer belastbar interpretieren lassen.


Solche Zahlen werden aber in der Regel (oft Jahre später) stark nach unten korrigiert, so dass die zuletzt allgemein verkündete Überhitzung des US-Arbeitsmarktes nicht mehr der Realität entsprechen dürfte. Und damit gibt es keinen driftigen Grund mehr die Zinsen, wie prognostiziert, heraufzusetzen.


Tatsächlich steigen die Meldungen über Entlassungen (zuletzt bei Tesla zehn Prozent der Beschäftigten), und auch die Pläne z. B. bei der Organisation der kleineren US-Unternehmen deuten schon seit Monaten auf weniger Beschäftigungszuwachs hin. Auch die Lohnzuwachsrate des letzten Monats war mit 0,3 Prozent gegenüber Vormonat tiefer als die erwarteten 0,4 Prozent.


All diese Tatsachen sind nicht in den Kursen der Aktien verarbeitet. Das wird aber sehr bald der Fall sein, was die Börsen zunächst stabilisieren wird, um anschließend die grundsätzliche Aufwärtsbewegung wieder aufzunehmen.


Fazit

Die Zahlen zur Inflation sind wahrlich nicht angenehm, aber wir stehen nicht vor einer Wirtschaftskrise. Selbst der Krieg Russlands mit der Ukraine vermag das nicht zu erreichen.



Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)



Der Markt ist schwierig zu interpretieren – dennoch ist das nicht das erste Mal, in meinem langen Berufsleben, dass ich mich damit auseinandersetzen muss.


Ja, US- und Europa - Sentiment- und Marktbreiteindikatoren bewegen sich in Extrembereichen, die in der Vergangenheit in absehbarer Zeit zu großen Bodenbildungsprozessen am Aktienmarkt geführt haben. 1987, 1990, 1994, 2002, 2008, 2018 kam es nach starken Kursrutschen, anschließend zu starken Erholungen am Aktienmarkt. Allerdings wurde Liquidität in die Märkte gepumpt, Leitzinsen gesenkt, etc. Das ist 2022 nicht der Fall, sondern das Gegenteil. Der Markt fällt und die Notenbanken straffen die Geldpolitik, sie entziehen Liquidität.


Wir müssen genau beobachten, wie sich die Inflationsdaten weiter entwickeln. Die US-Notenbank dürfte dann ihr Straffungsprogramm beenden oder abmildern, wenn es eine Verbesserung der Daten gibt. Außerdem wird sie ab einem bestimmten Punkt auch dann die Straffung abmildern müssen, wenn sie den Markt in eine Rezession geschossen hat und dennoch die Inflation hoch bleibt.


Die US-Notenbank (Fed) dämpft die Wirtschaft, sie fährt sie herunter. So soll dieser gewaltige Nachfrageüberhang gesenkt werden, der die Inflation befeuert. Wirtschaft dämpfen, Märkte deckeln, das bedeutet fallende Aktienkurse, solange sie das durchzieht – aber: Ab einem bestimmten Punkt, den zuvor niemand wissen kann, dreht der Markt und schießt nach oben.



Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)



Es sind die Entscheidungen, die Zinsen einzelner Länder zu erhöhen, die die Währungen zueinander in Bewegung brachten. Der Schweizer Franken (CHF) profitierte vom Überraschungsschritt der Schweizer Nationalbank (SNB), die Federal Reserve (Fed – US-amerikanische Zentralbank) konnte indes angesichts der hochgelaufenen Erwartungen nicht mehr überraschen.


Allerdings sprechen auch Aspekte gegen den Euro, der zum US-Dollar an einer markanten technischen Hürde liegt. Ob der Nachrichtenfluss der nächsten Wochen hier den Paritätstest bringen kann, hängt stark an Nachrichten von der Europäischen Zentralbank (EZB).


Ich persönlich würde darauf keine Wetten eingehen wollen. Der Abwärtstrend des Euro ist meines Erachtens grundsätzlich vorbei.


Freundliche Grüße und ein erholsames, an einem kühlen Ort liegenden Wochenende wünscht


Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung


Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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