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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Getrübter Start ins Börsenjahr 2022

Aktualisiert: 11. Apr. 2022


Der unisono und stereotyp von den Fachleuten erklärte Grund für den unerwartet frühen Kurswechsel der US-Notenbank und der sich verschärfende Ukraine-Konflikt trübten den Start in das Börsenjahr 2022.


Die im Jahresverlauf sicherlich wieder rückläufige Inflation, die robusten Unternehmensgewinne und eine attraktive Dividendenrendite sprechen für bessere Aktienperspektiven im weiteren Verlauf dieses Jahres. Europäische Aktien dürften sich 2022 besser entwickeln als die US-Aktienmärkte, wobei ausgewählte US-Investments ihre Stärke wiederum ausspielen sollten.


Der Technologie-Sektor korrigierte deutlich - die Sorgen von Zinserhöhungen sind wohl Auslöser dafür. Die Warnung von Goldman Sachs vor einem doch länger anhaltenden Inflationsdruck und dementsprechend einer scharfen geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank brachte den nächsten Stimmungswechsel in den USA.

Die politische Unsicherheit vor den US-Zwischenwahlen, eine hartnäckig hohe Inflation mit Lohnsteigerungen und eine zu restriktive US-Notenbank sind Risikofaktoren für das Aktienjahr 2022. Trotzdem bleibt die Alternativlosigkeit zur Investition in Aktien erhalten.

Die Fed ist wankelmütig in ihren Aussagen. Die Preissteigerungen wurden als temporär und wenig entscheidend für die Notenbank-Politik besprochen, dann wurde das Ende der Anleihenausgaben vorgezogen, dann eine Zinserhöhung für Mitte dieses Jahres diskutiert, anschließend vier Zinserhöhungen schon in diesem Jahr gefordert, diese Woche sogar fünf – bis in das erste Quartal 2023 hinein.


Und genau hier liegt die Chance einer Interpretation, die mehr als nur hoffen lässt, für weiter steigende Kurse an den Aktienmärkten. Denn dieser Ansatz ging vor rund fünf Jahren vollends daneben. Damals führte die überstürzte Liquiditätsverknappung zunächst zu einem heftigen Börseneinbruch im 4. Quartal 2018 und dann 2019 zum beginnenden Konjunkturrückschlag, so dass die Pandemie (Februar 2020) schon auf eine deutlich geschwächte US-Wirtschaft traf.


Die Fed senkte seinerzeit in kurzen und kräftigen Schritten die Zinsen und löste damit das Problem einer sich abschwächenden Wirtschaft. Trump kam dieses Szenario ganz recht, da er durch flankierende Steuersenkungen und dem Ausstellen von Schecks die Konjunktur am Laufen hielt und sogar antrieb.


Die hoch verschuldete US-Wirtschaft, aber auch für die verschuldete restliche Welt kann sich nachhaltig steigende Zinsen schlichtweg nicht leisten.


Eine scharfe monetäre Bremsung ist daher niemals das probate Mittel, um jetzt massiv in die Konjunktursteuerung einzugreifen – das ist der Zentralbank in den USA bewusst. Und darauf kann der Anleger bauen.


Anders als in früheren Zyklen und in der Literatur beschrieben, ist die höchste US-Inflation seit 1982 ganz wesentlich auf die Pandemie und die darauf zurückzuführenden Produktionsausfälle bzw. die Angebotsverknappung (Lieferkettenprobleme, Mangel an Speicherchips) zurückzuführen.


Die US-Inflation wurde aber auch durch die Konsumnachfrage angeregt. Hier kommen die über zwei Bio. US-Dollar ins Spiel, die die US-Regierung an die Arbeitnehmer verschenkte, die dadurch zum ersten Mal in einer Rezession ein steigendes verfügbares Einkommen (plus hohe Sparquote) erlebten.


Fazit

Es ist also weniger der monetäre Eingriff ins Wirtschaftsgeschehen als vielmehr der fiskalpolitische Nachfrageeffekt, der zur höchsten Inflationsrate seit 40 Jahren geführt hat.


Sollten diese im genannten Ausmaß (fünf Zinserhöhungen bis Anfang 2023) umgesetzt werden, wäre dies wahrscheinlich ein Fehler, und wird sehr schnell wieder rückgängig gemacht werden müssen, wie 2018/2019.


Die historische Rekordverschuldung in den USA, aber auch in den anderen entwickelten Volkswirtschaften wirkte sich nur wegen der sehr niedrigen Zinssätze und dem damit verbundenen, sehr geringen Schuldendienst im Vergleich zum verfügbaren Einkommen nicht negativ aus.


Während schrittweise Zinserhöhungen sich konjunkturell und börsenmäßig nur langsam und weniger dramatisch negativ auswirken, hat die Börsengeschichte immer wieder gezeigt, dass einschneidende Liquiditätsverknappungen im Finanzsystem schnellere und schärfere Wirkungen zeigen.


In Europa ist davon nichts zu erkennen, weshalb der europäische Aktienmarkt zu den favorisierten Investitionsmärkten derzeit zählt.



Dem Dax auf der Spur (Zwei-Jahres-Zeitraum)


Die geopolitische Lage wurde als ein besonderer bestimmender Grund für die Schwäche am Aktienmarkt genannt. Niemand weiß, was es in den kommenden beiden Tagen für Schlagzeilen zur Entwicklung an der russisch-ukrainischen Grenze bevorstehen, wobei eine realistische Chance zur Deeskalation besteht, da sich zwischen dem französischen Staatspräsidenten Macron und Putin ein gewisser Konsens, in dem gestern geführten einstündigen Telefonat ergab.


Wie bereits am Freitag der Vorwoche zu beobachten war, wurde im Hinblick auf das Wochenende das Anlagerisiko strategisch minimiert, durch vereinzelte Verkäufe.



Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)


Der Euro ist in der abgelaufenen Woche wieder in seinen steilen Abwärtstrend übergegangen.

Der weitere Verlauf sollte bei der unteren gestrichelten Linie (1,11 US-Dollar) enden können.

Der Absturz kam aufgrund der Aussagen von Jerome Powell zustande, der mit fünf Zinserhöhungen liebäugelt.


Ein nicht allzu graues, kaltes und trübes Wochenende wünscht



Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

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Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung

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