Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Die Jo-Jo-Bewegung
- Dr. Volker Gronau

- 29. Apr. 2022
- 3 Min. Lesezeit

Es war wieder einmal bunt gemischt, was sich in der abgelaufenen Woche, zum Beginn des Monats Mai, an den Wertpapiermärkten gezeigt hat.
Da war das große Aufatmen aufgrund der gewonnenen Wahl in Frankreich von dem alten und neuen Staatspräsidenten Macron. Leider kam der Schock gleich zu Beginn der Woche mit dem Aufarbeiten der Zinserhöhungsdiskussion um 0,5 Punkte aus den USA, und gestern mit erneuten Geldwäschevorwürfen gegenüber der Deutschen Bank, die sich aber als haltlos gegenüber der Bank selbst herausstellten.
Gut war das ifo-Geschäftsklima in Deutschland, das sich im April entgegen den Erwartungen nicht weiter eingetrübt hat, was auf eine überraschend bessere Einschätzung von Geschäftserwartungen und -lage zurückzuführen war. Ein Faktor, der sich auf die kommenden Monate übertragen wird.
Die Jo-Jo-Bewegung an den weltweiten Aktienmärkten hielt unvermindert in dieser abgelaufenen Woche an.
Betrachtet man sich die Zinsen in USA, die unbestritten eine Indikatorfunktion besitzen, für die restlichen Länder der westlichen Welt, so ist die Diskussion um eine eventuell bevorstehende inverse Zinsstruktur logisch. Aber ob diese tatsächlich eintritt, kann seriös nicht vorausgesagt werden.
Derzeit liegen die zehnjährigen Renditen bei 2,9 Prozent, während die einjährigen bei 2,72 Prozent liegen. Das ist zwar nicht weit auseinander, aber ob es tatsächlich zu einer höheren Verzinsung der kurzen Laufzeiten kommt, der dann auch als nachhaltig beschrieben werden kann, ist nicht ausgemacht.
Dieser, aus der Vergangenheit herrührende durchschnittliche, Kursverlauf begünstigt zumindest eine Seitwärtsbewegung der Zinsentwicklung, in allen Laufzeiten (ein bis zehn Jahren). Mittel- und langfristig ist der moderate Anstieg der Zinskurve jedenfalls positiv, weil die Wirtschaft wächst, und, über die überlegt steigenden Zinsen in ihrem konjunkturellen Drang nach oben und eventuellen inflationären Auswüchsen, gebremst werden muss.
Höhere Langfristzinsen im Vergleich zu tieferen kurzfristigen Zinsen (sog. „Normale Zinsstruktur“) signalisieren eine klare Aussage: Der wirtschaftliche Ausblick hellt sich auf.
Das erste Quartal 2022 war in den USA noch stark durch die Omikronwelle geprägt. März und April wurden durch hohe Energiepreise gedämpft. Beide Faktoren spielen zukünftig eine geringere Rolle, werden aber leider noch nicht komplett vorbei sein. Der Krieg ist eine unwägbare Determinante, die die eine oder andere Welle an den Aktienmärkte auslösen wird.
Der Monat Mai mit seinem bekannten Spruch, der besagt, dass man die Märkte verlassen soll, sollte dieses Jahr nicht zutreffen, da es kaum Gewinne zum Mitnehmen gibt. Diese Weisheit hält einer wissenschaftlichen Überprüfung sowieso nicht stand.
Man darf guten Mutes sein, dass die Wirtschaft nach einem Dämpfer in den nächsten Quartalen eine Stabilisierung erkennen lässt, was sich auf die Aktienkurse positiv auswirken würde. Ob diese „Stromzufuhr“ im Mai oder im Hochsommer kommt, ist durch niemanden prognostizierbar – aber sie wird kommen.
Dem Dax auf der Spur (Zwei-Jahres-Zeitraum)

Es waren die überwiegend sehr guten Zahlen aus der Berichtssaison, die für das erste Quartal die Hauptstütze für die Märkte in diesen geopolitisch schwierigen Kriegszeiten waren. Die mit Spannung erwarteten volkswirtschaftlichen Daten aus dem Euroraum zeigten eine erwartet hohe Inflation bei einem leicht positiven Wachstum.
Der DAX schloss bei knapp 14.100 Punkten, was ihm die Mehrzahl der Marktteilnehmer zu Beginn der Woche nicht zugetraut hätten. Damit hat der Index den Schwächeanfall zur Wochenmitte wieder aufgeholt.
Die sich ausgebildete sogenannte „Hammerformation“ markiert ein positives Signal für die kommenden Handelstage im Mai.
Euro gegen US-Dollar (Zehn-Jahres-Zeitraum)

Heftig bergab ist es mit dem Euro gegangen. Er ist unter die wichtige Unterstützung der letzten Jahre gefallen und zeigt einen ungebremsten Kapitalabzug. Die Marke liegt bei rund 1,07 US-Dollar.
Damit setzten sich die Umschichtungen in den höher rentierlichen Dollar-Raum weiter fort.
Die Tatenlosigkeit der EZB bei der Inflationsbekämpfung sorgte dafür, dass sich der Spread (zwei Prozentpunkte bei den zehnjährigen) zwischen USA und Euroraum immer weiter ausdehne, hieß es am Markt.
Ein sonniges Wochenende zum ersten Mai wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


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