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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Zinserhöhungen, Energiepreise & China


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Die abgelaufene Woche stand unter den bekannt spezifischen Belastungsfaktoren, die jegliche Erholungsansätze immer wieder zunichtemachten. Trotzdem sind dies genau die Momente die genutzt werden müssen.


An erster Stelle die Federal Reserve (Fed), die US-amerikanische Zentralbank, mit ihrer bekannten Zinserhöhungsmanie, die zwar im Markt eskomptiert sein dürfte, aber die divergenten Aussagen, ob 0,5 oder gleich 0,75 Prozentpunkte-Erhöhung, bei der nächsten Sitzung (14./15.06.2022), gefällt den Marktteilnehmern gar nicht.


Als zweite Misere, der Ukraine-Krieg, mit all seinem Leid und der Unsicherheit, ob er sich weiter ausdehnt und wann es realistische Chancen eines Endes gibt. Die damit gestiegenen Energiepreise und damit inflatorischen Entwicklungen, die durch diese (meines Erachtens falsche) Inangriffnahme steigender Zinsen nicht bekämpft werden kann. Hierbei herrscht, im Gegensatz zu der begonnenen Zinsentwicklung, konvergentes Denken – bis auf einen … (Putin).


Und die Probleme in China, die durch die unverständliche Covid-Strategie, die Häfen in Shanghai seit Wochen lahm legt und damit die Lieferketten zu keiner Entspannung lenkt.


Die Herausforderungen sind vorhanden! Aber warum werden sie nicht anpackend versucht zu lösen, wie es durch die Medien jeden Tag angemahnt wird? Was läuft hier schief?


Wie oben, und an dieser Stelle seit vielen Wochen immer wieder thematisiert, sind Zinserhöhungen in der aktuellen Gemengelage falsch! Das Übel wird nicht über den Kausalitätseffekt bekämpft, indem die Ursache am „Schopf gepackt“ wird – durch Liquiditätsaufrechterhaltung und nicht durch dämpfende Zinserhöhungen bzw. dem Zurückfahren der Liquidität.


Die Welt ist viel zu hoch verschuldet, so hoch wie noch nie (siehe F.A.Z. 20.05.2022 S. 25). Ursache und Wirkung sind aus dem Lot gefallen bzw. damit kann (Zinserhöhung) die Inflation nicht eingedämmt werden. Diese fällt von selber, wenn beispielsweise seine Extremtreiber, wie die Ölpreise nicht nochmal so einen Sprung vollziehen, wie mit Beginn des Ukrainekrieges, weil die Berechnung schlichtweg immer bei null beginnt – reine Statistik.


Der Aggressionskrieg Putins gegenüber der Ukraine war der größte Fehler, den ein „Staatsmann“ überhaupt in unserem 21. Jahrhundert eingehen konnte. Der erste Weltkrieg wurde durch pure Dummheit der Nichtkommunikation begonnen – und der jetzige gegen die Ukraine? Wenn es erste reelle Anzeichen eines Endes gibt, vage ich zu behaupten, dass die Aktienmärkte wahre Raketenstarts hinlegen werden.


China ist mir vollkommen suspekt geworden, aber als Anlageland definitiv wichtig, weil viele Menschen (knapp 1,5 Mrd.) konsumieren, was in der westlichen Welt nahezu 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft) ausmacht.


Weshalb zwingt die chinesische Regierung über 300 Mio. Menschen in den Lockdown, wobei keine Infektionen mehr vorhanden sind? Darauf blickt die Welt der Anleger aktuell sehr genau – eine erste zaghafte Reaktion vollzog die Regierung und Zentralbank in China (PBoC) in Personalunion (Regierung und Zentralbank sind nicht unabhängig wie in den USA, Japan, Europa), indem sie in dieser abgelaufenen Woche die Zinssätze senkten. Das gab auch sofort einen positiven Grundton für die Aktienmärkte, rund um den Globus, der aber leider in der Nachbörse (nach 17:45 Uhr für Deutschland) nicht gehalten werden konnte, da das Wochenende für Glattstellungen sorgte – diese Marktteilnehmer kommen aber regelmäßig am Montag wieder zurück.


Die Zentralbanken werden den Märkten schneller wieder Liquidität zur Verfügung stellen, als wir vielleicht heute annehmen, weil dieses Experiment nicht in die Zeit passt und bereits schon einmal (2008, Pleite der Lehman-Bank), eher zweimal (1987, Flashcrash), sogar dreimal (Weltwirtschaftskrise 1929) daneben ging.


Der Pessimismus ist derart „ins Kraut geschossen“, dass es tatsächlich nur besser werden kann – nicht sofort, aber sukzessive in den kommenden Monaten – aber dann gewaltig. Denn auch die fundamentalen Bewertungen, wie das Kurs/Buchwert-Verhältnis haben ein Niveau erreicht, das die Aktienmärkte attraktiv werden lässt.


Warum sind gerade die so hoch gelobten, hoch kapitalisierten Werte (Berechnung: Anzahl der Aktien multipliziert mit ihrem Kurs: z.B. Apple, Amazon, usw.) derart unter die Räder gekommen, obwohl ihre Bewertung, Nachfragesituation, Gewinnentwicklung und Aussichten gut sind?


Der Hauptgrund liegt in den passiv gemanagten ETFs. Der ETF-Manager wird und muss reagieren, wenn die Anleger verkaufen. Diese hochkapitalisierten Werte repräsentieren weltweit eine enorme Summe, dass sich diese kleinen Beben an den Aktienmärkten zu einem gewaltigen „Erdbeben“ entwickeln können.


Aber: Genauso ist es auch andersherum, wenn wieder gekauft wird – zu „Monsterbewegungen“, wie diese Woche aus USA zu hören war.


Ein rein passives Investment (über die Hälfte der US-Gelder setzen inzwischen darauf) ist aktuell nicht die beste Entscheidung für eine Anlage. Wichtig ist mehr denn je eine sehr breit aufgefächerte Diversifikation, über Länder, Themen und Branchen. Nur dadurch lässt sich das Risiko managen und wird über die Zeit zum Erfolg werden.



Dem Dax auf der Spur (Zwei-Jahres-Zeitraum)


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Der von Exporten begünstigte Dax wird durch den abwertenden Euro und die bisher zurückhaltende EZB hinsichtlich Geldpolitikstraffung begünstigt. Andererseits schlägt der Korrelationstrend zum US-Aktienmarkt durch, wenn es dort zu starken Verkäufen kommt.


Der deutsche Leitindex ist also hin- und hergerissen. Die Nachwehen der Corona-Pandemie wurden eingepreist. Auf ihn lastet der Inflationsdruck und die geldpolitische Inflationsbekämpfung (Zinsdiskussion in Europa) sowie steigende Energie und Nahrungsmittelpreise.


Der Dax sollte es schaffen können aus der oben zu erkennenden Abwärtstrendbewegung (oberer Rand) herauszukommen, denn ab dann wird er bullisch und es steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Erholungsszenario, das bis 15.600 und sogar bis 16.300 Punkten reicht – im Laufe dieses Jahres.



Euro gegen US-Dollar (Zehn-Jahres-Zeitraum)


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Die Hin- und Hergerissenheit der Zinsdiskussionen lies den Euro in dieser zu Ende gegangenen Woche nach oben pendeln. Leider immer noch in seinem übergeordneten (primären und sekundären) Abwärtstrend. Nur der kurzfristige (tertiäre) Trend stabilisiert den Euro, genauso wie die massive Unterstützungszone, auf dem aktuellen Niveau von € 1,06 zu einem US-Dollar.


Ein sonniges, erholsames, mit wenig Gewittern durchzogenes Wochenende wünscht


Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung

Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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