Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Welche Anlageklasse wird langfristig dominieren?
- Dr. Volker Gronau

- 22. Apr. 2022
- 3 Min. Lesezeit

Aktien sind und bleiben langfristig die ertragsmäßig dominierende Anlageklasse. Auch wenn derzeit Zinserhöhungen, das Zurückfahren der Anleihenkäufe durch die Zentralbanken, der unsägliche Krieg, hohe Rohstoffpreise den Glauben daran immer wieder auf eine harte Probe stellen. Es existieren immer Gründe für einen Abschwung - aber trotzdem werden Aktien weiter steigen, unter Schwankungen – nicht nur langfristig.
Wer lange genug sucht, findet für jeden Standpunkt Argumente. Als Anleger muss man diese am Ende abwägen und eine Entscheidung treffen. Derzeit muss zwischen wirtschaftlichen Sorgen und dem Sentiment (der Stimmung) abgewogen werden.
Wirtschaftlich deutet fast alles auf einen Abschwung hin. Abschwung ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einer schweren Rezession, die den Aktienmarkt in die Knie zwingt. Die vergangenen zwei Jahre sind ein gutes Beispiel für das Gegenteil.
Erst rutschte die Wirtschaft in eine Rezession. Lockdowns aufgrund der Pandemie machten das unausweichlich.
Dem Einbruch folgte ein schneller Rebound – quasi wie bei einem Trampolin. In Deutschland und vielen anderen Ländern kam es zum Jahreswechsel 2020/2021 zu einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung.
In Deutschland war nur ein Quartal negativ, in anderen Ländern Europas waren es zwei, was formal der Definition einer Rezession entspricht.
Das Sommerhalbjahr 2021 verlief gut. Ende 2021 schrumpfte die Wirtschaft in Deutschland und im ersten Quartal 2022 ist nur mit viel Glück negatives Wachstum zu verhindern. Ob eine Rezession festgestellt werden wird, ist nicht sicher.
Trotz zweier Rezessionen zeigte sich der Aktienmarkt unbeeindruckt.
Anleger, vor allem Privatanleger, sitzen Rezessionen derzeit aus, anstatt auf sie zu reagieren. Ob das bei der nächsten, nicht durch die Pandemie verursachten Rezession immer noch so sein wird, bleibt abzuwarten – die Wahrscheinlichkeit spricht dafür.
Die Aussage bleibt jedoch bestehen. Nicht jeder Abschwung ist für den Aktienmarkt eine Katastrophe.
Eine Katastrophe ist hingegen die Verbraucherstimmung in den USA. In Europa ist die Stimmungaufgrund des Krieges ebenfalls auf sehr tiefem Niveau. Generell gilt, dass Stimmung und Aktienmarkt positiv korreliert sind. Aktien steigen mit der Stimmung (siehe Grafik), denn diese ist ein guter Indikator für Konsum und Wachstum.

Derzeit ist die Stimmung nicht nur schlecht. Sie erreicht einen der tiefsten Werte der letzten 70 Jahre.
Im Gegensatz zu früheren Zeiten konsumieren Verbraucher aber weiter. Die hohen Ersparnisse aus den Lockdown-Zeiten und Konjunkturprogramme helfen. Das erklärt, weshalb Aktien der Stimmung nicht gefolgt sind. Konsumenten sagen das eine, tun aber das andere.
Dennoch ist die Stimmung ein wichtiger Indikator. Stimmungstiefs bedeuten, dass es praktisch nur besser werden kann. Sechs Monate nach einem Stimmungstief notiert der Aktienmarkt höher. Das gilt seit 1952 ausnahmslos.
Dem Dax auf der Spur (Zwei-Jahres-Zeitraum)

Die Aktienmärkte wurden in der verkürzten zweiten Osterwoche durch Aussagen des Fed-Präsidenten Jerome Powell belastet, der von einem höheren Zinsschritt als nur 0,25 Prozentpunkte sprach. Ein kommender Schritt wurde daher mit 0,5 %-Punkten im Markt eingepreist, was entsprechende Verwerfungen (Donnerstagabend) nach sich zog.
Am Montag wird um 10:00 Uhr der ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht, der traditionell eine gute Orientierung für den zukünftigen DAX-Verlauf angibt.
Die Kursbewegungen der letzten Wochen lassen die Anbahnung einer wichtigen Entscheidung(nach oben oder unten) vermuten, was durch das obige Dreieck (siehe Chart) beschrieben wird. Eine weitere ruppige Seitwärtsbewegung scheint uns bevorzustehen.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer letzten Pressekonferenz eine Normalisierung der Geldpolitik im dritten Quartal unterstrichen. Allerdings machte sie das von der weiteren Entwicklungder Konjunktur abhängig.
Sollte es zu einer Energiekrise oder einer Rezession kommen, wovon aktuell nicht ausgegangen werden muss, dürfte sich die EZB erste Zinserhöhungen sehr genau überlegen, wann diese ausgeführt werden.
Eine erste Zinserhöhung ist mittlerweile vor dem letzten Quartal im Markt eingepreist (0,25 Prozentpunkte).
Das zögerliche Verhalten der europäischen Notenbank hat zu einer weiteren Abschwächung des Euro geführt. Er fiel unter die Marke von 1,08 US-Dollar, den tiefsten Stand seit der März 2020, dem Beginn der Coronakrise. Trotzdem zeigen die Indikatoren, dass sich der Trend zugunsten des Eurobessert.
Ein sonniges, erholsames und relaxtes Wochenende wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitungallein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklungerlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


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