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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Sind deutsche Aktien derzeit verzichtbar?

Aktualisiert: 14. Apr. 2022


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Vergleicht man den deutschen Aktienmarkt, beispielsweise anhand des DAX, fällt auf, dass sich unsere Aktien gegenüber den amerikanischen weniger gut entwickeln haben. Die kriegerischen Auseinandersetzungen spielen dabei keine Rolle, werden aber aktuell dominiert, da der amerikanische Aktienmarkt stabiler ist. Der Grund liegt auf der Hand, da es sich um einen europäischen Krieg handelt,


Die Frage, die sich der aufgeklärte Anleger jetzt stellt, ist, ob auf deutsche Aktien verzichtet werden sollte.


Dass der Dax inklusive der Ausschüttungen (vorwiegend Dividenden), als sogenannter Performanceindex, berechnet wird, macht die Sache nicht besser. Vor zehn Jahren etwa, scheiterte der Dax mehrmals an der Marke von rund 9.000 Punkten. Das langjährige Band zwischen 9.000 und 12.000 Punkten konnte der DAX so richtig - nach der Erholung aus der (leider immer noch andauernden) Coronakrise - hinter sich lassen.


Ein direkter Vergleich zum Beispiel von DAX und S&P 500 ist insofern nicht korrekt, wegen der unterschiedlichen Verrechnungsmodalitäten. Für eine Vergleichbarkeit existieren brauchbare Ansätze, die hier aber nicht ausgeführt werden.


Seit 1986 fällt der DAX gegenüber US-Aktien immer weiter zurück, und deshalb ist die Frage legitim, wieso man überhaupt noch in deutsche Aktien investieren sollte, wenn es andere Märkte gibt, die so viel besser sind.


Gerade erst erreichte der DAX im Verhältnis zum S&P 500 wieder ein neues Allzeittief (siehe nachfolgende Grafik).


Da der Trend unter Schwankungen seit Jahrzehnten anhält und der DAX im Vergleich immer weniger wert wird, wirken US-Aktien sehr verlockend. Kann eine nachhaltige Trendumkehr zur besseren Entwicklung des DAX, aber auch zu europäischen Aktien erwartet werden?


Man muss aber auch nicht gleich auf Sicht von Jahrzehnten in einem Markt investiert bleiben und auf Outperformance hoffen, was auch ein schlechter Ratschlag wäre. Es reicht, wenn es mittel- bis langfristig zu einer Outperformance kommt. Dass dies geschieht, ist wahrscheinlich. Es gibt immer wieder Zeitfenster, in denen der DAX eine bessere Entwicklung zeigte. Aktuell ist die Underperformance extrem. Historisch waren solche Abweichungen Kaufgelegenheiten.


Dafür spricht auch die Bewertung. Deutsche Aktien sind im Verhältnis zum S&P 500 so tief bewertet wie noch nie. Auch andere europäische Märkte sind historisch günstig. Dafür gibt es einen ganz besonders herausstechenden Grund. Kurzfristig wird die Wirtschaft durch den Krieg (in Europa) stärker belastet als die US-Wirtschaft.


Die Politik arbeitet daran, die Auswirkungen abzufedern. Wie schon in der Coronakrise sollen Unternehmen geschützt und gestützt werden. Der Staat wird auch mehr investieren (z.B. in die Bundeswehr) und es deutet sich an, dass generell zur Unterstützung der Wirtschaft mehr Schuldenaufgenommen werden.


Zugleich ist Deutschland eine Exportnation. Durch die Krise hat der Euro erneut an Wert verloren. Deutsche Exporte werden dadurch attraktiver. All diese Aspekte zeigen sich nicht sofort. Eine Verteilung (Diversifikation) in verschiedene Länder erscheint also sinnvoll, wobei der Schwerpunkt durchaus in Europa liegen darf.


Dem Dax auf der Spur (Ein-Jahres-Zeitraum)


Hier entwickelt sich doch tatsächlich eine sogenannte „V“-Formation; also eine schnelle Trendwende – vom Absturz der Kurse, hin zu ihrer schnellen Erholung.


Was war ursächlich für diese (gewünschte) Bewegung?


Hong Kong sorgte in dieser abgelaufenen Woche für ordentliche Irritationen. Der dortige Index (Hang Seng) gab am Montag und Dienstag um mehr als zehn Prozent ab. Und: Der China A-Index (zeigt Zentralchina: repräsentiert die Onshore-Aktien in Shanghai und Shenzhen, notiert in Renminbi) um mehr als fünf Prozent.


Die Nachricht belastete, dass Russland China um militärische Unterstützung für seinen Krieg in der Ukraine gebeten hatte. Es gab Sorgen vor verschärften regulatorischen Kontrollen der USA gegen dort börsennotierte chinesische Unternehmen und die steigenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen führten zu Gegenwind.


Mögliche Lockdowns und Werkschließungen in China schlugen auf die Stimmung. Ab Mittwoch setzte eine Kehrtwende ein, nach Ankündigungen von Chinas Komitee für Finanzstabilität und Entwicklung, was zu einer Stabilisierung der Aktienmärkte führte. Es soll auch geldpolitische Impulse zur Ankurbelung der Konjunktur geben. Zudem will der Staatsrat in Peking weiterhin Notierungen chinesischer Firmen im Ausland unterstützen.


Dazu kam am gestrigen Freitag, dass der Staatschef Xi Jinping dem amerikanischen Präsidenten Biden vermittelte, dass er (Xi) die Krise in der Ukraine nicht sehen will – i. S. von nicht tolerieren.


Der Hexensabbat verlief wie im Bilderbuch: Bis exakt Mittag Auflösungen von Absicherungen, danach überwiegende Long-Positionen, also überwiegend die Richtung steigender Kurse.



Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)


Die Amerikaner erhöhten (lang vorher war es angekündigt) ihre Kurzfristzinsen um 0,25 Prozentpunkte – und was macht der US-Dollar? Er fällt! Das ist unlogisch: Aber, wie wir wissen, wird nicht das Faktum gehandelt, sondern die Erwartung. Frei nach Sepp Herberger, unserem ersten Bundestrainer: „Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel“. Nach der Zinserhöhung, ist vor der (nächsten und nächsten …) Zinserhöhung. Man will das Spiel gegen ausufernde Preissteigerungen gewinnen.


Dabei spielt die Europäische Zentralbank (EZB) auch eine große Rolle. Die Erwartungen, dass die EZB die Zinsen im Euroraum doch ein wenig schneller erhöht als vielfach angenommen stärkte den Euro – eben die Erwartung auf ein attraktiveres Zinsniveau (siehe obigen Chart, rechter weißer Balken – dieser zeigt einen gestiegenen Euro an und damit einen gefallenen US-Dollar). Die Begründung lieferten die hohen Inflationsraten. Die Gefahr ist obsolet, dass sich die Preissteigerungsraten aufgrund des Krieges (nach und auch noch während Corona) nicht so schnell wieder bändigen lassen, wie vermutet.


Die Devisen- und damit auch die Zinsmärkte zu beobachten ist damit zu mehr als nur einem Pflichtprogramm geworden. Hier liegt der Schlüssel für die künftige Ausrichtung der Anlagepolitik, der Aufteilung der Anlagegelder (Asset Allokation).


Trotz alledem ist Vorsicht geboten, den Teufel (Inflation) nicht mit dem Beelzebub (Zinserhöhungen) auszutreiben. Denn, bereits vielfach erwähnt – wir haben keine Inflation, die durch Produktivitätssteigerungen zustande kam, was eben nicht mit erhöhten Preisen zustande kam. Es waren exogene Faktoren, die nicht mit Zinserhöhungen weggehext werden können.


Ein Frühling-beginnendes erholsames Wochenende wünscht


Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH



Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung

Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitungallein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklungerlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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