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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Neuerliche Hoffnungen?


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Getrieben von neuerlichen Hoffnungen, dass die Notenbanken in absehbarer Zeit langsamer beziehungsweise weniger stark ihre Leitzinsen erhöhen könnten, sowie von festen Vorgaben aus den USA und Asien haben die europäischen Aktienmärkte am Dienstag stark zugelegt. Die Aufwärtsbewegung war nach dem zurückliegenden Ausverkauf teilweise auch durch Eindeckungen mit angetrieben. Der Dax stieg denn auch in den ersten Handelstagen um knapp vier Prozent auf Werte knapp unter 12.700 Punkte.


Die Wahrscheinlichkeit eines Inflationsrückgangs und einer weniger restriktiven Fed-Politik (Zentralbank der USA) könnte bald das Blatt zugunsten von Aktien wenden. Die heute noch durchweg negativen Einschätzungen europäischer Aktien dürften sich dann ändern, da die Marktpreise bereits einen Großteil der ungünstigen Nachrichten reflektieren, selbst ein Szenario, bei dem die Gewinnprognosen auf eine Rezession angepasst werden.


Die mit der Inflation, der Geldpolitik und der Energieversorgung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verbundenen Herausforderungen sind nicht überwunden, aber der europäische Markt hat tatsächlich solide Aussichten für eine Bodenbildung mit langfristig steigendem Anlagehorizont.


Interessanterweise erzielen europäische Unternehmen mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb Europas und bieten auch Engagements an, die in anderen Regionen nicht verfügbar sind (z. B. Luxusgüter oder die Energiewende).


Chinesische Aktien sind zwar weitgehend attraktiv bewertet, sie wirken jedoch noch nicht stabil. Die Gründe sind enttäuschende Konsum- und Investitionsdaten, anhaltende Probleme im Immobiliensektor, die unklare Covid-Situation und halbherzige Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft.


Japan wird ebenso wie Europa zunehmend interessant. Die japanische Wirtschaft ist dank einer Erholung nach der Pandemie im Vergleich zu anderen Industrieländern besser aus der Misere mit Covid herausgekommen. Die Inflationsdynamik erscheint ebenfalls günstig, und der Ausblick für die Thematik Energie hat sich verbessert. Darüber hinaus profitieren die japanischen Exporteure vom sehr schwachen Yen, genauso wie der europäische Aktienmarkt von einem schwachen Euro. Dies dürfte bei einer (kurzfristigen) Konjunkturabschwächung (Rezession) die Widerstandsfähigkeit des Unternehmenssektors stärken.


Wie an dieser Stelle bereits erläutert: Die aktuell extreme Zinssteigerungspolitik wird sich daher schon sehr bald umkehren.


Warum?

Der Kampf gegen die Inflation, die nach den Energieschock kam muss jetzt gnadenlos angegangen werden – das hat der Markt verstanden und damit eskomptiert.


Dadurch geraten wir in eine kurze, aber beherrschbare Rezession. Danach können und werden die Zinsen wieder zurückgenommen werden, was zu Kurssprüngen nach oben führen sollte.


Denn:

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte Bedenken bekommen, mitten in einer historisch und weltweit einmaligen Konjunkturabkühlung eine Inflation zu bremsen, die weltweit ihren Höhepunkt erreicht bzw. überschritten (USA) haben dürfte. Die US-Inflationsrate hatte ihren Höhepunkt im Sommer erreicht und inzwischen fallen die Inflationserwartungen auf fünf Jahre Sicht deutlich.


Dazu gesellten sich gestern Nachmittag die Daten der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft im September mit 263.000 - erwartet wurden 265.000 nach 315.000 im Vormonat, was die Aktienmärkte nicht wirklich einschätzen konnten, weil sie mit heftigen Ausschlägen nach oben und unten reagierten. Während die Stundenlöhne wie erwartet um 0,3 Prozent stiegen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Prozent auf 3,5 Prozent – hier liegt der einzige greifbare Faktor für die Schwankungen, da die Fed dadurch genötigt sein könnte an ihrem restriktiven Plan steigender Zinsen zunächst noch festhalten könnte.


Fazit zum Arbeitsmarkt in USA

Der Arbeitsmarkt schwächte sich zwar ab, präsentierte sich dennoch in einer (noch) ziemlichrobusten Verfassung. Das bedingt derzeit noch keinen Grund, aus dieser Sicht, dass sich die Inflation dadurch bremsen ließe. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit bis die Inflation in ihre Schranken verwiesen werden wird.



Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Mit dem Oktober begann das im langjährigen Durchschnitt positive Winterhalbjahr (lt. persönlicher Statistik seit 1959 6,66 % im Durchschnitt p.a.) an der Börse (Anfang Oktober bis Ende März).


In Deutschland und den USA fallen die Kursgewinne (speziell im Oktober) in den Blue-Chips-Indizes allerdings noch eher verhalten aus, dennoch positiv. Hier ist der Oktober nur der zweitschwächste Monat des Winterhalbjahres. Deutlich stärker im Oktober präsentieren sich der Euro Stoxx 50, der Hang Seng Index sowie der Nasdaq 100. Trotz der durchschnittlichen wieder positiven Performance ist der Oktober zumindest in den USA auch der Monat des Jahres mit der höchsten Volatilität (Schwankungsbreite).


Einige große Crashs fanden im Oktober statt, so kam es 1987 (Flashcrash, der bis heute unerklärt blieb) und auch im Jahr 2008 (Finanz- und Wirtschaftskrise) zu heftigen Kursverlusten. Anleger sollten sich also auf starke Schwankungen einstellen – aber daraus resultiert ja bekanntermaßen die Rendite.


Der Zinssteigerungswettlauf der Notenbanken fängt spürbar zum Stocken an. Die Entwicklungen des unsäglichen Krieges senden Signale, die meines Erachtens zu Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in greifbare Nähe rücken.


Für die weltweiten Aktienmärkte wären dies zwei Faktoren, die, wenn sich bewahrheiten, wahrhaftige Kursexplosionen auslösen können.


Dazu kommt:

Auf den Beginn einer volatilen Bodenbildung an den Börsen sollten sich Anleger in den kommenden Wochen einstellen. Die 800-Punkte-Eindeckungsrally vom Wochenbeginn führte deutlich vor Augen, wie wenig Abwärtspotenzial die Leerverkäufer den Aktienbörsen noch zubilligen. Wer auf fallende Kurse ausgerichtet war, will nun keinen Cent seiner Gewinne mehr aufgeben und ist bereit zum Ausstieg.


Für den normalen Aktienkäufer, der Geld nur mit steigenden Kursen verdienen kann, sind das gute Nachrichten.


Denn wenn die üblicherweise besser informierten Hedgefonds aussteigen, sehen sie weniger Chancen nach unten als nach oben. Schließlich sind die Risiken mittlerweile bekannt und benannt:


Von der Ukraine, drohender Rezession und globalen Zinserhöhungen (derzeit noch) sind die meisten Belastungsfaktoren bekannt. Gestritten wird nur noch über ihr Ausmaß, meines Erachtens durch immer näher rückende Verhandlungen.


Risikolage wird asymmetrisch - Gutes wird stärker belohnt


Die Risiken am Markt werden damit asymmetrisch: Die Chance auf gute Nachrichten mit starken Ausschlägen nach oben zu reagieren, ist größer als die Gefahr, bei schlechten Neuigkeiten noch zu fallen.


In der nun anlaufenden Berichtssaison dürften zwar viele Unternehmen ihre Gewinnprognosensenken, jedoch sollte das meiste davon mit den vorausgegangenen Kurseinbrüchen eingepreist sein: So wie eine durchschnittliche Senkung der Gewinnprognosen für 2023 um 20 Prozent.


Oder an den Anleihemärkten ein Anstieg der Renditen für langfristige Anleihen (zehn Jahre Restlaufzeit) auf beiden Seiten des Atlantiks um 0,75 Prozentpunkte.



Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Angesichts der jüngsten Stabilisierung und leichten Erhöhung des Ölpreises dürften die Sorgen vor einer Energiekrise in Europa wieder zunehmen und den Euro belasten. Darüber hinaus werden die US-Inflationsdaten kommende Woche den US-Dollar wohl tendenziell stützen.


Der steile Abwärtstrend des Euro bleibt daher wohl noch die kommenden zwei Wochen intakt, bevor sich kurstechnisch erste realistische Kursstabilisierungen ergeben könnten, die den Euro zum US-Dollar wieder über die Parität heben könnte.


Ein goldenes Oktoberwochenende wünscht Ihnen



Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung


Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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