Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Kurzfristigkeit von kriegerischen Ausseinandersetzungen
- Dr. Volker Gronau

- 12. März 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr. 2022

Die Historie hat gezeigt, dass kriegerische Auseinandersetzungen für die Finanzmärkte nur von untergeordneter Bedeutung sind, da sie nur über kurzfristige Effekte verfügen. Die Folgen einiger für uns (in der westlichen Welt) besonders bedeutsame Krisen zeigten beispielsweise, dass beide Weltkriege, der Jom-Kippur-Krieg (Auslöser der ersten Ölkrise 1973) sowie der Golf- als auch der Irakkrieg zwar Unruhe auf den Märkten brachten, aber im Schnitt verursachten sie „nur“ Verluste von neun Prozent am US-Aktienmarkt, gemessen vom Ausbruch bis zum Tiefpunkt.
Diese Talsohle wurde nach durchschnittlich zwölf Monaten erreicht. Bereits 18 Monate nach Beginn der Konfrontation hatten die Kurse aber das Anfangsniveau wieder zurück gewonnen.
Mit diesen Werten kann heute nicht gerechnet werden – es sollte schneller wieder mit den Aktien nach oben gehen. Die Gründe dafür sind die Tatsachen, die uns seit vielen Jahren begleiten, wie Alternativlosigkeit, hohe Verschuldung der Staaten, die jetzt sogar weiter zunehmen werden, und die nach wie vor unattraktive Zinslandschaft, gepaart mit einer hohen Inflation, die jede Kassenhaltung ad absurdum führt.
Jeder Vergleich, als Muster oder Pauspapier, eignet sich nicht. Die Vorzeichen sind einfach ausgedrückt: anders.
Die Welt in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ist mit der heutigen Zeit nicht vergleichbar. Aus dem Aspekt der wirtschaftlichen Zusammenhänge kann man unter den bekannten wirtschaftspolitischen Grundprinzipien eine Antwort finden, aber:
In der Ökonomie gilt das Gesetz der Irreversibilität: Nichts wird wieder so, wie es einmal war. Die Rücknahme einer wirtschaftspolitischen Maßnahme führt in aller Regel nicht wieder in den Ursprungszustand zurück. Häufig kommt am Ende etwas ganz anderes heraus. Das muss nichts Schlechteres sein – aber eben etwas Unvorhergesehenes, Besseres – eine Disruption – eine Umwälzung.
Die Kapitalmärkte sind dazu ein sehr flexibles Vehikel, das sich schnell an neue Voraussetzungen anpassen kann. Daher kommen auch die hohen Schwankungen, weil sich die vielen Marktteilnehmer unsicher sind, wie es in der nahen Zukunft weitergehen wird. Eines jedoch ist sicher: Langfristig werden die Aktienkurse steigen.
Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Ein seltener, aber umso phantastischer Rebound, der sich in dieser Woche am deutschen Markt ereignete.
Die Börsen in Europa und damit auch unser Dax zogen die abgelaufene Woche kräftig an, schlossen aber letztlich klar unter den Tageshochs. Ursächlich für den Kurssprung waren Aussagen von Putin, der von einer „positiven Entwicklung" in den Verhandlungen mit der Ukraine gesprochen hatte.
Dass der Markt so deutlich unter den Tageshochs geschlossen habe, zeigt die Skepsis im Markt, hieß es. Denn trotz der Putin-Aussagen führte die russische Armee den Angriff auf ukrainische Großstädte mit unverminderter Härte fort.
Worte bewegen den Markt, während Taten leider weiter ausbleiben. Das wird aber nicht so bleiben. Die Taten werden folgen, und vielleicht ist dieser unsägliche Krieg dann auch bald wieder vorbei.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Der US-Dollar gilt in diesen Tagen als sicherer Währungshafen und ist weiterhin gefragt, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in der Vorwoche.
In Krisenzeiten bleibt der Greenback für viele Anleger erste Wahl, und man darf reell die Aussichten für den US-Dollar als weiterhin günstig umschreiben, sollte die Fed die Geldpolitik weiter straffen - also doch mehr als die aktuell fünf Zinserhöhungen in diesem Jahr durchführen, nach eingepreisten sieben Erhöhungen, die aber aufgrund des Einmarsches der kriegerischen Truppen in die Ukraine unerwartet „Nahrung“ erhalten haben. Damit also vorsichtiger agieren.
Auf Sicht dieses Jahres sollte das Niveau innerhalb dieser Range verharren können.
Freundliche Grüße und ein sonniges Vorfrühlingswochenende wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
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