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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Erhöhung der Leitzinsen


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Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist am Dienstag zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder über die Marke von einem Prozent gestiegen. Die Leitzinsen in USA erhöhte die amerikanische Zentralbank um 0,5 Prozentpunkte (Spanne 0,75 – 1,00 Prozent).


Was bedeutet das für die Anleihen und kann das den Aktienmarkt zum Absturz bringen?


Niedrige Inflation und immer weiter sinkende Zinsen haben in den vergangenen vier Jahrzehnten einen ungeheuren Rückenwind für die Aktienmärkte bedeutet. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Dinge an den Finanzmärkten nun aber grundlegend verändern könnten, ist am Dienstag hinzugekommen: Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe kletterte zum ersten Mal seit dem Jahr 2015 wieder über die Marke von einem Prozent - im Hoch erreichte die Anleihenrendite 1,075 Prozent.


Die steigenden langfristigen Zinsen sind vor allem auf die hohe Inflation und die Erwartung einer bevorstehenden geldpolitischen Wende zurückzuführen.


Anders als zunächst erwartet, hat sich die hohe Inflation nach dem Corona-Schock nicht als Eintagsfliege erwiesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zwar bisher noch gezögert und auf Zinserhöhungen verzichtet, spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2022 dürfte nun aber auch die EZB auf die hohe Inflation reagieren und die Nullzinsphase beenden.


Die Finanzmärkte nehmen diese bevorstehende Zinswende bereits vorweg, unter anderem mit steigenden Renditen bei Anleihen mit längerer Laufzeit. Die Anleihenrenditen sind zwar inzwischen rasant gestiegen, Anleihen bieten aber deshalb noch lange keinen Inflationsausgleich.


Der Realzins (Zins minus Inflation) bleibt stark negativ. Im April lag die Inflationsrate in Deutschland nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts bei 7,4 Prozent.


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Wegen der stark negativen Realverzinsung bei festverzinslichen Anlagen ist davon auszugehen, dass die langfristigen Zinsen weiter steigen dürften. Dies gilt ganz besonders, falls sich die Inflation in den kommenden Monaten und Quartalen nicht merklich abschwächen sollte, was aber nach den bisher vorliegenden Zahlen nicht der Fall sein sollte. Immer vorausgesetzt es kommt nicht doch wieder von irgendwoher etwas Unvorhergesehenes. Der Hochpunkt sollte vorüber sein.


Das für die Aktienmärkte besonders vorteilhafte Umfeld aus sinkenden Zinsen und niedriger Inflation ist damit vorerst kein Kurstreiber mehr.


Noch allerdings ist es nicht ganz so weit, wie eine technische Betrachtung der deutschen Zehnjahresrendite zeigt. Eine markante Abwärtstrendlinie der vergangenen Jahrzehnte wurde bisher noch nicht überwunden. (Es handelt sich bisher strenggenommen auch nur um eine vorläufige Abwärtstrendlinie, weil es nur zwei Auflagepunkte des Renditeverlaufs an der Trendlinie gibt.)


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Ein markantes und vor allem nachhaltiges Überschreiten der Abwärtstrendlinie ist nicht anzunehmen, dafür ist die weltweite Verschuldungssituation zu hoch. Diese Zins-Reaktion ist in der aktuellen Lage vollkommen normal und auch gesund, auch wenn es uns Anleger nicht gefällt.


Das negative Umfeld sollte sich in den kommenden Monaten auflösen. Der Krieg ist dabei das „Zünglein an der Waage“. Wenn er vorbei ist, werden sich die Aktienmärkte rasant und nachhaltig erholen können.



Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Es war eine Woche mit sich immer wieder verändernden Vorzeichen. Wurde der vorausgesehene Zinsanstieg der Fed als vorweggenommen interpretiert, kam es am Tag darauf zu einem Abverkauf der Kurse, der sich am gestrigen Freitag fortsetzte.


Trotz dessen, dass sich die Arbeitsmarktdaten aus USA zunächst spürbar positiv auf die Aktienkurse auswirkten. Es war wohl wieder dem bevorstehenden Wochenende geschuldet, dass sich vorwiegend der Berufshandel von Positionen trennte. Diese kommen aber schnell wieder in den Markt zurück.



Euro gegen US-Dollar (Zehn-Jahres-Zeitraum)


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Der US-Dollar zeigte sich im Vorfeld der erwarteten Zinserhöhung in den USA wenig bewegt, vor allem aus dem Grund, da er vieles von dem was durch die Fed am Mittwoch entschieden (plus 0,5 %-Punkte) erläutert wurde bekannt gewesen ist.


Nur leider, ist die Trend-Situa­ti­on aus technischer Sicht (für Währungen ist das häufig die einzige Alternative einer kurzfristigen Prognose, denn alles andere ist jedem Marktteilnehmer zu jedem Zeitpunkt unmittelbar klar) eine andere:


Dieser Trend ist seit Juli 2008 abwärts gerich­tet (siehe obigen Chart 2012 bis heute), und diese Fortset­zung ist größer ist als die einer Trend­wen­de (Stichwort: Zinsdifferenz zwischen USA und Europa – rund zwei Prozentpunkte bei den zehnjährigen Laufzeiten).


Wie an dieser Stelle vor ca. einem Jahr erklärt, hatte der Euro eine gute Chance, sich mit Kursen über 1,23 US-Dollar aus seinem Abwärts­trend hinaus­zu­ma­nö­vrie­ren, was er nicht schaffte und bis heute ist dieses Signal als sein übergeordnetes Schwä­cheindiz zu interpretieren.

Derzeit hat der Greenback im Bereich zwischen 1,04 und 1,05 US-Dollar eine massi­ve Unter­stüt­zungs­zo­ne erreicht. Dieses Niveau lässt für den Euro eine weite­re Abwer­tung erwar­ten.


Kurse unter­halb der Parität sind daher wahrschein­lich.


Der jetzt erreich­te Stand - zwischen 1,04 und 1,05 US-Dollar - entspricht dem absolu­ten Tief der Gemein­schafts­wäh­rung, seit wir diese in unseren Händen halten (Januar 2002).


Für die Exportwirtschaft ist dies gerade aus deutscher Sicht ein positives Zeichen. Was man dazu braucht ist Geduld und Mut – dann folgt die Belohnung durch Gewinne an den Aktieninvestments.


Ein sonniges, ruhiges und erholsames Maiwochenende zum morgigen Muttertag wünscht


Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH


Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung


Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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