Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Ein Rückblick auf den Schwarzen Montag
- Dr. Volker Gronau

- 21. Okt. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Okt. 2022

Vor ziemlich genau 35 Jahren jährte sich ein Börsenereignis, der 19. Oktober 1987 ging als sogenannter Schwarzer Montag in die Geschichtsbücher ein, nachdem der Dow Jones damals um gewaltige 22,6 Prozent abgestürzt war und damit den bis heute größten Tageseinbruch seiner 126-jährigen Geschichte verzeichnete.
Wie schon bei allen Krisen und Crashs zuvor, erholte sich der Dow Jones auch von diesem heftigen Rückschlag. Drei Monate danach betrug das Plus elf Prozent, und am 19. Oktober 1988 – also ein Jahr danach – notierte der Dow Jones schon 23 Prozent über seinem Tief.
Im Nachhinein betrachtet wäre natürlich der 16. Oktober 1987 der denkbar ungünstigste Einstiegszeitpunkt gewesen. Selbst wenn jemand zu diesem ungünstigen Moment in den Dow Jones investierte, hätte er nach 15 Monaten (Januar 1989) sein Einstiegsniveau wieder erreicht. Und er bis heute durchgehalten hat, wäre damit eine jährliche Rendite von 7,7 Prozent erzielt worden; wohlbemerkt: jedes Jahr!
An der Börse lohnt es sich also, einen langen Atem zu haben. Zumal mit zunehmendem Anlagehorizont die Wahl des Einstiegszeitpunkts an Bedeutung verliert. Und es zeigte sich, dass sich gerade nach Krisen immer besonders lukrative Gewinnchancen eröffneten.
Krisen sind immer auch großartige Chancen!
Mit dem Rutsch unter 29.500 wies der Dow Jones Ende September gegenüber seinem Januar-Hoch ein Minus von mehr als 20 Prozent auf, was definitionsgemäß einen Bärenmarkt kennzeichnet. Betrachtet man sich die fünf abgeschlossenen Dow-Bärenmärkte seit 1987 kommt man zu folgendem …
Ergebnis:
Die Verläufe waren zwar komplett unterschiedlich. So ging es bspw. beim Corona-Crash innerhalb von nur 40 Tagen schlagartig um 37 Prozent in den Keller, während die Talfahrt in der Jahrhundert-Baisse (minus 38 Prozent) 996 Tage (2000 – 2003) dauerte.
Dennoch haben alle diese Bärenmärkte eines gemeinsam:
Zu kräftigen Comebacks. So hatte der Dow Jones drei Monate nach seinen Bärenmarkt-Tiefs im Schnitt bereits 22 Prozent gewonnen. Und ein Jahr danach betrug das Plus im Mittel 44 Prozent, was jeweils nur der Auftakt mehrjähriger Aufwärtstrends war, in denen sich der Dow Jones im Schnitt um 202 Prozent nach oben schraubte.
Resümee
Derzeit ist zwar noch offen, ob wir die Tiefs bereits gesehen haben. Doch ganz unabhängig davon wird auch der diesjährige Bärenmarkt Langfristanlegern großartige Gewinnchancen eröffnen.
Was diesen Bärenmarkt leider so einzigartig macht ist die Tatsache, dass die Anleger auch mit festverzinslichen Wertpapieren auch zweistellige Prozentsätze verloren. Die Anleihen wurde also nicht gekauft, was ihre Kurse hätte steigen lassen müssen und diametral dazu die Zinsen fallen.
Aber es kam vollkommen anders, wie wir erkennen mussten, was die nachfolgende Kursgrafik eindeutig beweist:

2022*: Der größte Kursrutsch der Bonds (Anleihen USA) [gilt auch für Europa], den wir seit über 100 Jahren erleben mussten, nach dem ersten Weltkrieg („Post WWI“– World War I).
Daher darf an dieser Stelle von einem bevorstehenden Sellout (sog. Kapitulation der Anleger), der die Kurse der Aktien nochmals um einen hohen Prozentsatz (zehn Prozent) drückt, abgesehen werden. Eine derartige Panik hat es im Prinzip schon gegeben, eben wegen der Parallelität der Kurseinbrüche (Aktien, Anleihen, Gold, Kryptowährungen). Immobilien in USA ebenso, auch in vielen Teilen Europas – aber weniger bei uns, aufgrund Sonderfaktoren (geringe bzw. ausgewogene Kreditfinanzierungen, hohe Eigenkapitalanforderungen an die Banken, Zuwanderung).
Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)

Die abgelaufene Woche war aufgrund der andauernden Unsicherheiten und Konjunktursorgen weiter von hoher Volatilität gekennzeichnet. Stützend wirkte ein Artikel des Wall Street Journals, wonach die Fed von dem erwartet steilen Zinspfad (Zinsanstieg) Abstand nehmen könnte. Im Fokus stand die Bilanzsaison. Diese ist bislang recht solide verlaufen. Zwar meldeten viele Unternehmen Gewinnrückgänge, die aber meist vergleichsweise moderat ausfielen.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)

Sollten sich die Sorgen über die Energieversorgung in Europa im kommenden Frühjahr als unbegründet erweisen, ergibt sich eine große Aufwertungschance für den Euro.
Bereits jetzt kann es bei kleineren Entspannungen (Zinssenkungshoffnung, Energieoptimismus) im vierten Quartal zu einem Kurs von 1,05 US-Dollar kommen – aktuell sieht es nach einem Bruch des steilen Abwärtstrends aus. Eventuell noch in diesem Monat.
Die letzte Schwächephase des Euro, als er unter die Parität rutschte, dauerte von Anfang 2000 bis zum Herbst 2002.
Damals wie heute befand sich die US-Wirtschaft in besserer Verfassung als die in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte in den USA 2002 real um 2,4 Prozent. Die deutsche Wirtschaft war 2002 hingegen mit einem Miniwachstum von 0,2 Prozent nur knapp an der Rezession vorbeigeschrammt.
Seit seiner Einführung ist der Euro schon auf 1,57 US-Dollar gestiegen – das war im Sommer 2008, als die US-Investmentbank Lehman kurz vor dem Zusammenbruch stand.
Die Schwankungsbreite des Währungspaars ist also groß und sie wird es bleiben.
Ein freundliches und geruhsames Oktoberwochenende wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


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