Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Die Kosten des Krieges
- Dr. Volker Gronau

- 5. März 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr. 2022

An dieser Stelle äußere ich mich normalerweise selten politisch. Aber aufgrund der besonderen Umstände, die auch die wirtschaftlichen Interaktionen ins Mark treffen, mache ich eine Ausnahme.
Putin hat mit dem Überfall auf die Ukraine sein eigenes Ende eingeläutet. Sein Taktieren war in der Vergangenheit zwar nicht immer vertrauensfördernd, aber mit dem Widerstandswillen der Ukrainer sowie der gemeinschaftlichen Reaktion des Westens hatte er nicht gerechnet. Er handelte nicht mehr politisch, sondern in purem "Macho-Wahn".
Er ist dadurch nach innen wie nach außen isoliert. Die Kosten des Krieges werden für Russland sehr hoch ausfallen. Auch die Humanitären sind enorm. Und, die Sanktionen belasteten die russische Wirtschaft und die Millionen Menschen exorbitant - … für was?
Auch die Anhebung des Leitzinses in Russland auf 20 Prozent ist ein Zeichen seiner Verzweiflung. Er will damit das Geld im Land halten. Die Menschen, „sein“ Volk, beruhigen – gelingen wird und kann ihm das nicht.
Die Welt wird diese Kosten (Energie, Rohstoffe) tragen müssen, für eine dann kommende aggressionsfreie Zeit. Die Menschen wollen keine Kriege, schon gar nicht im 21.-Jahrhundert.
Die Finanzmärkte sind in einem derartigen Umfeld als Seismograf gut geeignet eine Vorhersage. Die Aktienmärkte reagieren zwischen gefasst, bedacht und hoch volatil auf die kriegerischen Auseinandersetzungen.
Das politische Beben geht Hand in Hand mit den Börsen, aber durch die Einheit gegen den russischen Präsidenten vereint wie noch nie.
Wann dieses Ende des Schreckens naht, kann leider niemand seriös vorhersagen. Aber, angesichts der hohen Belastungen kann bezweifelt werden, dass Russland einen lang anhaltenden, opferreichen Krieg in der Ukraine durchhalten wird. Vielleicht ist Putin auch krank und muss sowieso ersetzt werden. Die Abkehr der Oligarchen von ihm wird weitergehen und keinen neuen Despoten hervorbringen können.
Sofort auch nur der kleinste Funken an Hoffnung bevorsteht, sollten die Börsen und damit die Aktien wahre Freudensprünge nach oben unternehmen. Dazu bedarf es Optimismus und Mut.
Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine bestimmt weiterhin das Geschehen an den globalen Aktienmärkten und damit auch im Dax.
Nachdem die europäischen Börsen zur Wochenmitte u.a. aufgrund der Hoffnung neuer Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien eine positive Kehrtwende hingelegt hatten, fielen die Kurse am Donnerstag schon wieder deutlich zurück bzw. brachen am gestrigen Freitag (Hintergrund: Feuer im größten Atomreaktor Europas) förmlich ein.
Für Gegenwind sorgten auch die gestiegenen Renditen der zehnjährigen deutsche Bundesanleihe, die wieder auf 0,07 Prozent anstiegen (Ein meines Erachtens schwacher Grund). Die Ankündigung des US-Notenbankchefs Jerome Powell sorgte für eine leichte Entspannung, den Leitzins jetzt im März nur um 25 Basispunkte (0,25 %-Punkte) erhöhen zu wollen.
Sorgen bereiteten den Anlegern vor allem der Anstieg der Inflation, die durch den aktuellen Preisschub für diverse Rohstoffe (vor allem Öl, Gas, Palladium, Weizen etc.) verursacht wurde.
Dadurch steigt (vordergründig) der Druck auf die Notenbanken, die Zinswende einzuleiten. In diesem Umfeld verlor der Dax vier Prozent und markierte ein neues Jahrestief von 13.099 Punkten (-19,55 Prozent vom Allzeithoch 16.282,87 per 18. Nov. 2021 ).
Von der Konjunktur ist aktuell (kurzfristig) keine Unterstützung zu erwarten, denn die auf der Agenda stehenden Inflationsdaten aus der Eurozone bringen keine Entlastung. Der Preisauftrieb dürfte weiter zunehmen, da der anhaltende Krieg in der Ukraine die weltweiten Aktienmärkte fest im Würgegriff gehalten hat, und Sanktionen gegen Russlands Energiesektor nach Angaben der US-Regierung weiterhin möglich sind.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Ein Tatbestand, der durch die aktuelle Entwicklungen des Krieges untergegangen ist, ist die Divergenz der Meinungen der amerikanischen und europäischen Notenbank.
Wie reagieren sie auf die Aggression und das Leid das Putin gebracht hat?
Der US-Arbeitsmarktbericht beeindruckt, weil der Stellenaufbau im Februar um 678.000 nach oben schoss. Der Blick auf die Stundenlöhne zeigt, dass sich kein Inflationsdruck in den USA aufbaut. Also eher keine weiteren Steigerungsbeweggründe für die Notenbanken.
Die Zinserwartungen sind sicherlich als moderat zu umschreiben, zumal der Ukraine-Krieg für Verunsicherung bezüglich des weiteren Zinspfads (nach oben) sorgt. Mit Blick auf die unterschiedliche Gangart zwischen Fed und EZB legt der US-Dollar zu, der Euro fällt auf 1,09 US-Dollar.
Wenn es zu einer Entspannung (hoffentlich bald) zwischen Russland und der Ukraine kommt, kehrt sich dieses Szenario um – zugunsten des Euros.
Ein sonniges Wochenende wünscht Ihnen voller Zuversicht auf die kommende Woche
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitungallein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklungerlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


Kommentare