Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Der amerikanische Arbeitsmarkt
- Dr. Volker Gronau

- 19. Aug. 2022
- 3 Min. Lesezeit

Die Aktienmärkte „lebten“ in den letzten Wochen in einer euphorischen Konsolidierungsphase, die fälschlicherweise viel zu lang und zu wiederholt als Reaktion (Bärenmarktrally) auf die zuvor gefallenen Kurse umschrieben wurde.
Ein wichtiger Aspekt wurde leider weniger beachtet, der sowohl für Erklärungen, warum etwas passiert und warum es gute Aussichten für eine nachhaltige Besserung an den Aktienmärkten geben wird, in den Publikationen unerwähnt geblieben ist. Eine Gesundung, die nicht sofort, aber auf Sicht der kommenden sechs bis neun Monate stattfinden sollte.
Also: Welcher Hintergrund steht dafür Pate?
Laut den nicht saisonal bereinigten Zahlen im Juli wurden in USA 385.000 Jobs abgebaut, auf insgesamt 152,249 Mio. Wichtig zu wissen: Laut den nicht saisonal bereinigten, also den tatsächlichen Zahlen sind 385.000 Jobs abgebaut worden. Darauf achtet aber kaum jemand (normalerweise), vielmehr schauen alle Investoren und Experten auf die saisonal bereinigten Zahlen aus Unternehmens- und Haushaltsumfrage und feiern diese Zahlen (diese lagen um über 100 % (!) höher als prognostiziert: 528.000 gegenüber Schätzungen von 250.000 - was einen boomenden Arbeitsmarkt signalisiert). Dieses Detailwissen ist für die kommenden Wochen das konjunkturelle „Zünglein an der Waage“; neben den leidvollen bekannten geopolitischen Unsicherheiten (Öl, Gas, Krieg), die jede Vorhersage ad absurdum (kurzfristig) führen kann.
Wie könnte es an den Märkten weitergehen?
Ich gehe davon aus, dass nach einer kurzen Pause (ein bis zwei Monate) die Aufwärtstendenzen in USA, Japan und Europa fortgesetzt werden könnten.
Wieso?
An den Märkten gilt plötzlich neben „bad news is good news“ (schlechte Nachrichten von der Konjunktur sind gute Nachrichten für die Aktienmärkte, weil die Fed eine Kehrtwende (Zins) einleiten könnte) auch „good news is good news, also gute Nachrichten von der Konjunktur sind gute Nachrichten für den Aktienmarkt.
Warum?
Offensichtlich ist die US-Wirtschaft so stark, dass der Arbeitsmarkt boomt, und damit eine Rezession noch in weiter Ferne zu sein scheint – Europa (noch) nicht soweit. Damit sind die Gewinnperspektiven für die Unternehmen besser als zuvor schlechter befürchtet, weshalb Investoren an den Aktienmärkten in den Kaufmodus umschwenkten. Allerdings belastet der (noch) kräftige US-Zinsanstieg die hochbewerteten Tech-Aktien, wie Tesla und Nvidia, kurzfristig, was aber als normal bezeichnet werden darf.
Die immer als schauderhaft beschriebene Inflation ist für die Unternehmen, die dadurch ihren Umsatz steigen können eine fortwährende, grundsätzliche Bewegung, die nur in den letzten Jahren kaum aufgefallen ist. Und damit der Garant für Wirtschaftswachstum und Gewinnsteigerung.
Insgesamt sollte daher die tendenzielle steigende Ausrichtung an den Aktienmärkten weitergehen.
Dem Dax auf der Spur (Zwei-Jahres-Zeitraum)

Eine ausgedehnte Hausse am Aktienmarkt wird dann kommen können, wenn ein Waffenstillstand in dem unsäglichen Krieg zwischen der Ukraine und Russland eintreten könnte. So richtig daran glauben mag zwar derzeit niemand, aber eine gewisse Müdigkeit und vor allem Verdruss lässt sich in den Berichterstattungen herauslesen.
Eine Eskalation mit Europas größtem Atomkraftwerk, das von russischen Truppen besetzte Saporischschja, das immer wieder beschossen wird, würde den Aktienmärkten einen Dämpfer verpassen. (Der Reaktorunfall in Tschernobyl im Juni 1986 brachte für die Aktienmärkte nur sehr kurz einen Rückgang; das Jahr 1986 schloss mit einem Plus von 4,84 Prozent ab).
Noch immer bewegt sich der Dax in seinen zwei Konsolidierungsmonaten (August und September).
Die Halbleiterindustrie und der Pelosi-Besuch hat die Taiwan-Krise in den Fokus der Berichterstattung gebracht. Ebenso wie für Russland (Ukraine) könnten hier für China rote Linien überschritten werden. Ein Taiwan-Krieg brächte ein Vielfaches der Belastungen für die Weltwirtschaft im Vergleich zum Ukraine-Krieg – daran glauben will ich nicht, weil es für eine Lösung keinen Krieg braucht, sondern Gesprächsbereitschaft und Kompromisse.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)

Die US-Notenbank Fed hat am Mittwochabend ihr Protokoll zur Zinssitzung am 26. und 27. Juli veröffentlicht und darin eine mögliche Verlangsamung des Tempos der Zinserhöhungen angedeutet.
Zu einem gewissen Zeitpunkt sei es voraussichtlich angemessen, "das Tempo der Leitzinserhöhungen zu verlangsamen" und die Auswirkungen der geldpolitischen Straffung zu bewerten, hieß es im Protokoll. Viele Mitglieder des Offenmarktausschusses zeigten sich auch besorgt, dass die Notenbank die Geldpolitik zu stark straffen könnte. Gleichzeitig wurde betont, dass weitere Zinserhöhungen notwendig seien, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen.
Der Euro hat daraufhin ungewohnt schwach reagiert, da die Zinsen in USA ja nicht weiter steigen sollen – zumindest nicht in dem Ausmaß wie vor der Bekanntgabe der Besprechungsunterlagen.
Der Euro bewegte sich damit weiter in seinem steilen Abwärtstrend, den er aber schon bald verlassen dürfte und in eine (vorerst) Seitwärtsbewegung (Rezessionsängste in Europa) übergehen dürfte.
Ein beschwingtes Wochenende mit viel Sonnenschein wünscht
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
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