Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Auswirkungen von kriegerischen Auseinandersetzungen
- Dr. Volker Gronau

- 26. Feb. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr. 2022

Blickt man als Anleger in die Vergangenheit und begutachtet die kriegerischen Auseinandersetzungen, so muss man feststellen, dass sie die Börsen immer nur spürbar kurzfristig gedrückt haben. Daher jetzt nicht kurzfristig und hektisch agieren.
Beispielhaft sei deshalb der MSCI World-Index dargestellt, der diesem und anderen Ungemach, der letzten 50 Jahre, gut Paroli bieten konnte. Gleichermaßen gilt das auch für den Dax, mit 7 % Jahresrendite.
Allerdings sollte man die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Rohstoffpreise nicht unterschätzen, ebenso mögliche Rohstoffengpässe. Dies dürfte sich damit indirekt auf viele Unternehmen auswirken. Weniger auf Firmen mit einer guten Preissetzungsmacht, die zudem auch weniger rohstoffabhängig sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die Luxusgüterindustrie.
Die Rohstoffpreise sind oft kriegsbedingt gestiegen, teilweise auch längerfristig. Beispielsweise während des Vietnam-Kriegs (1955-1975). Die Ukraine-Krise ist spiegelbildlich zu sehen zu der Kuba-Krise 1962, als die Russen versuchten, durch Raketeninstallationen in Kuba in die amerikanische Einflusssphäre vorzudringen. Kennedy drohte mit Atomwaffeneinsatz, was die Russen zum Rückzug (Februar 1963) bewegte.
Sollte der Westen die Aufrüstung der Ukraine inklusive Nato-Mitgliedschaft stoppen, dürften sich auch die Russen zurückziehen. Erste hoffnungsvolle Ansätze wurden am gestrigen Nachmittag herumgereicht, weil die Chinesen „auf den Tisch von Putin gehauen haben“. In der Kuba-Krise hatten die Aktienkurse ihre Verluste nach drei Monaten wieder komplett ausgeglichen (Dax-Stand: ult. Okt. 1962 bei 349,57 danach Seitwärtsbewegung – ult. Feb. 1963 exakt derselbe Stand bei 349,57: im Jahr 1963 ergab sich eine Performance von über 15 Prozent im (zurückgerechneten) Dax).
Ein Umschichten in festverzinsliche Wertpapiere macht aktuell keinen Sinn, da die Zinsen eine (wenn auch nur moderate und mittlerweile vorweggenommene) Aufwärtsbewegung vor sich haben - bedingt durch die gestiegene Inflation. Damit würden (werden) die Anleihenkurse fallen.
Ob Gold eine Alternative, als Anlagevehikel ist, muss jeder mit sich ausmachen. Ein kleiner Anteil, entsprechend der individuellen Risikoneigung, ist sicherlich überlegenswert, auch ohne Krieg.
Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Der leider jetzt reell gewordene Krieg in Europa gesellt sich zu einer ohnehin nicht ganz einfachen Lage für Anleger, nämlich dem angekündigten Rückzug der Zentralbanken.
Damit entsteht eine für viele ungewohnte Situation, denn die Zentralbanken sind, spätestens seit der Finanzkrise, der alles entscheidende Akteur an den Märkten gewesen. Nun aber stellen Fed, EZB & Co. richtigerweise fest, dass sich die Wirtschaft aus der Pandemie heraus erholt und der massive Stimulus der letzten beiden Jahre nicht mehr notwendig ist.
Leider verzetteln sich die Zentralbanken dabei in ihrer Kommunikation, denn sie erwecken gleichzeitig – und diesmal fälschlicherweise – den Eindruck, als würden und müssten sie die hohe Inflation bekämpfen.
Dabei können sie, sollte das wirklich der Plan sein, nur verlieren, denn von der Angebotsseite herrührende Inflation lässt sich nur mit erheblichen (nachfrageseitigen) Anpassungskosten erreichen. Beim Versuch, eine im Kern vermutlich vorübergehende Preisdynamik ins Korsett zu zwingen, könnte man also schnell zu stark einbremsen und völlig unnötig eine Rezession provozieren.
Eine klärende Kommunikation könnte sein, in der die Notenbanken klarmachen, dass übermäßige Geldflutung angesichts des absehbaren Endes der Pandemie nicht mehr angemessen ist, dies aber keineswegs eine drastische Verschärfung der Finanzierungsbedingungen bedeutet.
Inwieweit die kriegerische Auseinandersetzung die Notenbanken dennoch wieder auf den Plan ruft, wird man sehen – aber sicherlich nicht umsonst hoffen dürfen.
Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)
Stimmt die politische Krise die Fed bei ihrer Geldpolitik milder?
Mit Blick auf den aktuelle kriegerischen Moment muss man eine durch die Schlagzeilen getriebene Entwicklung und damit erhöhte Volatilität – auch an den Devisenmärkten – erwarten. Es wird ein Punkt erreicht werden, an dem die Marktteilnehmer bezweifeln werden, dass die Federal Reserveihre Zinserhöhungen im angekündigten Tempo (sieben in diesem Jahr – bis 1,75-2 % von aktuell 0,25 %) umsetzen wird.
Das bringt Stabilität und ein klares Zeichen, dass die Notenbanken die Zeichen der Zeit erkannt haben.
Welche Sanktionen ziehen welche Gegensanktionen nach sich? Ein Thema, dass uns die kommende Woche und danach begleiten wird und die Anlegerschaft eins ums andere mal die zwei größten Währungen verkaufen bzw. kaufen lässt.
Bleiben wir zuversichtlich – ein schönes Wochenende
Dr. Volker Gronau
GRONAU Finanzmanagement GmbH
Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitungallein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklungerlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.


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