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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Auswirkungen der Energiekrise


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Die Energiekrise in Europa sorgte gleich zum Wochenauftakt und in der gesamten abgelaufenen Woche für einen volatilen, dennoch sich stabilisierenden europäischen Aktienmarkt.


Die Energiekrise ist wieder Thema Nummer eins, ist von allen Marktteilnehmern zu vernehmen. Damit werden die Rezessions- und Inflationssorgen zu einem Dauerbrenner bei der Diskussion über die weiteren Kursbewegungen.


Die Frage ist, ob eine neue koordinierte Antwort der EU auf die Krise gefunden werden kann, und dabei auch ein abgestimmtes Vorgehen bei der so genannten Übergewinnsteuer. Die Ampelkoalition in Deutschland hat ein 65 Milliarden Euro schweres Entlastungspaket auf den Weg gebracht hat, das durch solche Übergewinne finanziert werden soll.


Die aktuellen und noch auf uns zu zukommenden Belastungen (privat - Konjunktur - Börsen) sind allesamt bekannt, wenn auch in ihrer Größenordnung noch nicht exakt bezifferbar. Wichtig ist die Gewinnentwicklung zu beobachten, da die Bewertungen einer Vielzahl von Aktien mittlerweile Tiefpunkte erreicht haben.


Die Zinserhöhungen durch die EZB (0,75 %-Punkte vom Donnerstag) und die der FED, werden die Börsen nicht mehr in dieser Form (wie in den letzten Wochen) belasten, weil sie in ihren Größenordnungen bekannt sind. Hingegen ist die Energiekrise noch eine große Unbekannte, was die Dimension in den kommenden Wochen anbelangt.


Inflation kann durch Zinssteigerungen in Europa nicht wirklich beeinflusst werden. Die Inflation in Europa ist ein Angebotsproblem (Energie, Nahrungsmittel) und in den USA auch nachfragebedingt. Daher wird die Inflation in den USA voraussichtlich schneller fallen, als derzeit erwartet. Damit könnte die derzeitige FED-Politik zu hart ausfallen, was einen schnelleren Stopp der Zinserhöhungstendenzen nach sich ziehen würde.


Allerdings befindet sich die EZB in einer vollständig anderen Lage als die übrigen Zentralbanken. Wegen der (wie immer wieder behauptet wird) selbst verschuldeten und, vor allem der, bis vor kurzem unvorstellbar hohen Energiepreisverteuerung, steht nicht nur Deutschland, sondern auch Europa (vielleicht) vor einer Rezession – ausgemachte Sache ist das aber bisher nicht!


Die USA sind zwar noch in einer besseren konjunkturellen Verfassung als Europa, aber auch dort wird gebremst. In der bisherigen US-Wirtschaftsgeschichte einmalig ist, dass die US-Notenbank in einer Phase schon weit fortgeschrittener Konjunkturentwicklung bei sich abzeichnender Rezession und inverser Zinsstruktur bremst.


In der Vergangenheit gab es immer eine Rezession, wenn die zweijährigen Zinssätze höher waren als die zehn-jährigen Zinssätze, wie heute – in USA.


Die Börse hat sich in der Vergangenheit immer erst dann erholt, wenn die kurzfristigen Zinsen durch entsprechende Lockerungspolitik der Notenbanken wieder unter die langfristigen Zinsen fielen (sog. „normale Zinsstrukturkurve“). Davon sind wir in den USA noch entfernt, wenn aber die ersten Anzeichen (bspw. Ölpreisrückgang Fuß fasst) zu erkennen sind, wird es an den Börsen keinen Halt mehr für steigenden Kurse geben.


Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Kräftige Plus-Zeichen zeigten die europäischen, amerikanischen und asiatischen Aktienmärkte, zum Ende der Woche. Der DAX stieg um 1,4 Prozent auf 13.082 Punkte, der Euro-Stoxx-50 legte um 1,5 Prozent auf 3.564 Punkte zu.


In Europa lagen die meisten Einzeltitel deutlich im Plus. Viele Marktteilnehmer wollten vor der EZB-Sitzung Cash halten, den legen sie nun an. Daneben profitiert der Markt aber auch von Deckungskäufen derjenigen, die bisher auf fallende Kurse ausgerichtet gewesen sind (sog. Short-Eindeckungen).


Gestützt wurde die Stimmung vom wieder fallenden Gaspreis.


Positiv bewerten Marktteilnehmer aber auch die Erholung des Euro, der nach der Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit knapp 1,01 US-Dollar die Parität wieder zurückerobert hat.


Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Der Euro sackte in der abgelaufenen auf 0,99 US-Dollar ab, dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren.


Die Rezessionssorgen führten immer wieder zu konträren Spekulationen, dass die EZB, wie am Donnerstag bei der allgemein erwarteten und auch eingetretenen Zinserhöhung (plus 0,75 %-Punkte) zukünftig etwas vorsichtiger agieren könnte; was unsere Gemeinschaftswährung wiederum schwächen würde.


Diese Konstellation ist aber nicht mehr opportun. Es sollte sich allmählich eine Wandlung in dieser Einschätzung ergeben, nämlich, dass die FED mit ihren Zinserhöhungen ein langsames Ende findet und die EZB die kommenden Zinserhöhungen mäßiger ausfallen lassen wird.


Ab dem kommenden Monat Oktober denkt die Gilde der Analysten bereits in den Sommer des kommenden Jahres hinein – und dort sollte es zu keinen weiteren Zinserhöhungen Anlass geben – eher zum Gegenteil.


Denn aktuell stemmt sich die EZB gegen die Rekordinflation (Leitzinserhöhung um 0,75 %-Punkte auf 1,25 %). Der zurzeit noch wichtigere Zins, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen, steigt von null auf 0,75 %. Dies ist die größte Anhebung in der Geschichte der EZB, wenn man von einer technischen Anpassung in den Wochen kurz nach Beginn der europäischen Währungsunion (7.02.1992) absieht – nicht zu verwechseln mit der Einführung des Euro als Bargeld (1.01.2002) bzw. zunächst als reines Buchgeld (1.01.1999). „Damit sendet die Notenbank ein Signal, dass sie nunmehr ihrer eigentlichen Aufgabe, der Sicherung des Geldwerts, nachkommen will, auch um den Preis einer Rezession sowie höherer Refinanzierungskosten der Mitgliedsstaaten des Euroraums“, wurde am Markt kommentiert und interpretiert.


Diese Darstellung, allüberall zu lesen, ist mir zu dünn.


Die EZB musste, aufgrund der sich überschlagenden, quasi kaskadenhaft sich aufblähenden(bekannten) Herausforderungen und damit einer ausufernden Inflation und extrem schwachen - in den freien Fall übergehenden – Eurowährung, sich (diesen Tatsachen) entgegenstemmen.


Einen herzlichen Gruß zum Wochenende sendet



Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung


Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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