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Aktuelle Situation an den Wertpapiermärkten: Aufgeholte Hausaufgaben der Fed


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Die US-Notenbank (Fed) hat ihre Geldpolitik wie erwartet deutlich gestrafft und rechnet für die nächsten beiden Quartale mit einer weiteren Straffung als bisher aber keiner Rezession. Der Offenmarktausschuss beschloss eine Anhebung des Zielsatzes für Fed Funds (US-Zinssätze) um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend mitteilte. Das entsprach den Prognosen und auch den Markterwartungen.


Damit hat die Fed ihren Leitzins in diesem Jahr um drei Prozentpunkte angehoben. Ein derartiges Tempo gab es zuletzt 1980. Einige Marktteilnehmer hatten sogar mit einer Anhebung un einen ganzen Punkt gerechnet.


Die aktuelle Konjunkturschwäche (Nachwehen durch Corona und der leidvolle Krieg) und fallende Inflationserwartungen für das kommende Jahr, war es sicherlich klug nur um 0,75 Prozentpunkte den Zinssatz zu erhöhen. Gerade die gedämpften Wachstumserwartungen würden zeigen, dass die Notenbank auch eine milde Rezession und einen gewissen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Kauf nimmt. Damit werden gerade die inflationären Bedenken sicherlich in den Hintergrund treten können, die nur um den Preis einer hohen Rezession zu einem späteren Zeitpunkt zu beseitigen gewesen wären.


Die Fed-Mitglieder prognostizieren weitere Zinserhöhungen um 1,25 Prozentpunkten. bei noch zwei ausstehenden Sitzungen in diesem Jahr – was die Aktienmärkte auch umgehend in den Kursen einpreisten.


Was den Aktienmärkten zusetzte war die überraschende Bekenntnis, dass die kommenden Zinserhöhungen (in diesem Jahr) bis auf einen Stand von 4,4 Prozent erwartet werden.


Denn, wie aus den Prognosen hervor geht, rechnen dessen Mitglieder (Prognose-Median) nun damit, dass der Leitzins Ende dieses Jahres bei 4,4 (Juni-Prognose: 3,4) Prozent liegen wird, Ende 2023 bei 4,6 (3,8), Ende 2024 bei 3,9 (3,4) und Ende 2025 bei 2,9 Prozent.


Sollte die Inflation aber erkennbar zurückgehen sind diese Werte zu hoch angesetzt.


Langfristig sehen die Mitglieder den Zins weiterhin bei 2,5 (2,5) Prozent. Für das Wirtschaftswachstum werden Raten von 0,2 (1,7), 1,2 (1,7), 1,7 (1,9), 1,8 und 1,8 (1,8) Prozent, für die entsprechenden Jahre erwartet.


Die Inflation sehen sie bei 5,4 (5,2), 2,8 (2,6), 2,3 (2,2), 2,0 und 2,0 (2,0) Prozent – alles in allem also einen signifikanten Rückgang.


In ihrem Statement erklärten die Notenbanker, dass Indikatoren auf ein moderates Wachstum der Konsumausgaben und der Produktion hindeuteten.


Die Beschäftigungszuwächse sind demnach in den vergangenen Monaten robust und die Arbeitslosenquote niedrig geblieben. Die Inflation ist nach wie vor hoch und spiegelt das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage im Zusammenhang mit der Pandemie, höhere Lebensmittel- und Energiepreise sowie einen allgemeinen Preisdruck wider.


Die Hausaufgaben werden derzeit also nicht nur gemacht sondern aufgeholt.



Dem Dax auf der Spur (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den DAX ist in den vergangenen Monaten von 19 auf unter zehn zurückgefallen. Die KGV-Bewertung entspricht damit bereits den Bewertungsniveaus während der DAX-Kaufgelegenheiten im März 2003 (KGV 11), März 2009 (KGV 9) und März 2020 (KGV 11).


Eine wichtige Bedingung für das Auslaufen eines DAX-Bärenmarktes wäre damit erfüllt.


Und weitere stimmungserhellende Faktoren können gefunden werden, in diesen doch so tristen Momenten, wo die Kurse scheinbar nur noch den Weg nach unten kennen:


Der Ölpreis (Brent) ist gestern über fünf Prozent gefallen, innerhalb einer Woche um sieben und eines Monats um über 17 Prozent. Die Inflationsrate wird es in den kommenden Wochen entsprechend anzeigen.


Aber auch die Charterraten für Containerschiffe sind sehr stark zurückgekommen. Deren Stand entspricht dem Niveau von dem vor zwei Jahren, was auf eine merkliche Entspannung auf die Lieferketten hindeutet. Gerade die Frachtraten waren ein gewichtiger Grund, weshalb viele Unternehmen ihre Prognosen revidieren mussten. Das Inflationsgeschehen wird durch diese sinkenden Transportkosten zurückfallen.


Daher an dieser Stelle eine klare Aussage: Die Inflation wird jetzt vehement bekämpft. Die Notenbanken sind sich alle einig (nur die Türkei nicht). Überziehen sollen sie es aber nicht - daran muss man glauben. Denn eine wieder aufkommende Deflation wird wieder in den kommenden Jahren ein wiederkehrendes Thema.


Für die Aktienmärkte wird dies zum Vorteil bemessen werden können, weil dann erneut Liquiditätsprogramme und wieder fallende Zinsen greifen werden. Die Zeit wird es bringen – schneller als es heute vielleicht zu erkennen ist.



Euro gegen US-Dollar (Fünf-Jahres-Zeitraum)


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Unsere Gemeinschaftswährung ist gegenüber dem US-Dollar auf dem Weg zu immer neuen Rekordtiefs, seit seiner physischen Einführung im Jahre 2002. Gestern fiel sie unter die Marke von 98 Cent.


Der Zinserhöhungskurs in den USA ist sicherlich der maßgeblichste Grund, nachdem die US-Notenbank am Mittwochabend zusätzlich zu ihrer Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte weitere Zinsanhebungen signalisierte.


Dazu rückt als potenzieller Belastungsfaktor, die Parlamentswahl in Italien am Wochenende zunehmend in den Blick. Dort sieht es nach einem Rechtsruck aus, womit euroskeptische Parteien an die Macht kommen könnten.



Die kommende Ausgabe erscheint in zwei Wochen, am 8. Oktober 2022.


Ein freundliches Herbstwochenende wünscht Ihnen


Dr. Volker Gronau

GRONAU Finanzmanagement GmbH

Wichtige Hinweise | Kein Angebot und keine Beratung

Diese Information dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung. Die Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers vom Euro abweicht.

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